Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675544
218 
Siebentes 
IIaup-tstück. 
hängigen Argumente stilgemäss am besten ab. Doch haben auch 
andere Farben, sogar angemessen modificirtes Gelb und Roth als 
Gründe des Füllwcrks bei entsprechender Stimmung des Ganzen 
ihre Berechtigung; wenn z. B. das Rahmenwerk weiss ist, oder 
wie hartes Holz, oder auch metallisch glänzend, somit an festeste 
Materie erinnert. Hier wie überall herrscht völlige Freiheit inner- 
halb des allgemeinen Gesetzes. 
Was immer für Mittel man anwenden will, um ein aufrechtes 
dreieckiges Rahmenwerk zur Kunstform zu erheben, so sind da- 
bei folgende drei leitende Motive zu befolgen. 
Zuerst dessen Dienst als Rahmen, von dem bereits hin- 
reichend die Rede war; die ornamentale Symbolik muss auf das 
Eingerahmte hinweisen. 
Zweitens die struktive Thätigkeit der cinrahmenden 
Theile. Das Ornament sei der Repräsentant der er- 
haltenden Kräfte, denen das Pegma seine Festigkeit 
verdankt. 
Das horizontale Band des Rahmens ist der Spannriegel, 
der die Schenkel des Dreiecks zusammenhält. 
Es wird sich daher jedes ornamentale Motiv in Beziehung auf 
diese Thätigkeit des gedachten Gliedes mindestens neutral 
verhalten müssen. Fehlerhaft sind z. B. senkrechte Kanäle, wie an 
den Hängeplatten der Gebälke gewisser römischer Tempel reich- 
ster korinthischer Ordnung, oder gar scheitreehte F ugcnschnitte, 
wie an einigen Fenstergiebcln der Spätrenaissance, weil diese die 
Spannfähigkeit des genannten Gliedes für das Auge vernichten. 
Gestattet, aber ausdruekslos, in dem hier bezeichneten Sinne, sind 
Scheiben (Menisken) oder Rosetten, wie sie häufig auf Hänge- 
platten, z. B. auch auf der mittleren Zone des Epistyls der Karya- 
tidenhalle zu Athen, angebracht sind. 
Geeigneter sind Flechtwerke, Labyrinthe und ähnliche textile 
Symbole. Auch sind Mäander und laufende Wellen (Spiralen) 
passende Verzierungen, wenn ihre Aufrollungen von beiden Ex- 
tremen anfangen und gegen die Mitte zu laufen, wo sie sich treffen. 
Dagegen wären dergleichen laufende Ornamente, wenn sie sich 
in einer Richtung 1 von rechts nach links oder umgekehrt fort- 
1 Gestattet istwlas kontinnirlich nach einer Richtung laufende Ornament 
in diesen und allen ähnlichen Fällen nur, wenn mehrere parallel über- 
einander gelegte Zonen in einander entgegengesetzter Richtung laufende Orna-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.