Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675535
Tektonik. 
Allgemein-Formelles. 
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bar Vorhandene und Repräsentirte, Wobei sie ihre Mittel zwar der 
Realität ablauscht, aber von Nachahmung und gleichsam Wortge- 
treuer knechtiseher Uebersetzung des Motives (etwa aus dem höf- 
zernen Balken-Schema in den Steinstil) so wenig wie von strenger 
Folgeliehtigkeit etwas weiss, sondern an dem abstrakt-formalen 
Begriffe festhält, und diesen in dekorativer Symbolik gleichsam 
spielend wiedergibt, dabei nur ästhetische Konsequenz erstrebt. 
Es bleibt zweifelhaft 0b und in welcher Ausdehnung die Grie- 
chen und Römer den Dreiecksverband des inneren Daehgerüstes 
künstlerisch verwertheten. Vitruv's Beschreibung des toskanisehen 
Atriums entspricht den sehräganlaufenden und mit gemaltem 
Sparrwerk dekorirten Plafonds einiger tuskiseher Gräber. Auch 
auf antiken Wandgemälden sieht man mitunter gemalte Sparre n- 
decken. 
Doch lässt sich weder aus den Autoren noch sonst der an- 
tike Ursprung der dekorativen Schaustellung des vollständigen 
Balkengespärres nachweisen , vielmehr blieb die Holztäfe- 
lung, 1 womit man die Balken bekleidete und ihre Zwischenräume 
ausfüllte (das Lakunar), übliches und vielleicht ausnahmslos be- 
folgtes monumentales Deekenmotiv. 2 
in ihren Theilen. 
Dreieckseinrahmung 
Die vertikale 
Die Gegensätze der Füllung und des Rahmens sind schon oben 
hinreichend hervorgehoben worden. Den Rahmen soll die Füllung 
niemals verstärken, denn diese ist der struktiven Idee nach gar 
nicht vorhanden; ersterer soll Fir das Auge vollständig in 
sich fest sein, letztere soll als vertieftes Feld zurücktreten, ent- 
weder faktiseh, oder scheinbar, mit Hülfe der Farbe, oder am 
besten durch beide Mittel zugleich; wobei man im Allgemeinen 
für die Struktur helle und positive, für das Füllwerk luftige und 
neutrale (bläuliehte) Töne zu wählen hat. Auf dem neutralen 
Hintergrunde heben sich die füllenden von der Struktur unab- 
1 Das tahulatum und opus intestinum, das auch von Vitruv bei den Amen 
erwähnt wird. (Siehe unten unter dem Hauptstück Technisch-Historisches.) 
2 Nach einer wenigste ns unsichern Interpretation der Stelle des Vitruv 
über die Basilika von Fano (lib. V. cap. II) hat man diese mit freier Balken- 
decke und sichtbarem Dachstuhle zu restaurireu versucht. Vitruv spricht 
nur von der äusseren Wirkung des eigenthümlichen Bedachllngssystems, das 
er bei diesem Bauwerke anwaudte, und das sich äusserlich durch zwei 
einander überragende Fastigien aussprach. 
Semper, Stil H. 28
        

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