Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675444
208 
Sechstes 
Hauptstück  
diesem eng verbundenen Procedurcn des Stempelns und der In- 
krustirung. 
Die alten Gläser zeigen häufig eine sehr naive Verwerthung 
der genannten technischen Verfahren, aber fast nur in rein deko- 
rativem Sinne, z. B. kleine weisse opake Glasstücke unrcgelmässig 
auf dunklen Grund gelöthet, oder auclrregelmässig vertheilte 
durchsichtige Glastropfen auf gleichfalls durchsichtigem Grunde 
u. s. w. Mitunter ist aber auch die aufgelegte Lötharbeit von 
äusserster Delikatesse (wie. bei Fig. 15 auf Tab. XVI). 
Die Venezianer wussten ihre Gläser mit Hülfe des Löthpro- 
zesses auf das Mannichfaltigste und Originellste zu gliedern. 
Auch in diesem Stücke zeigt sich die venezianische Glasmanu- 
faktur der antiken überlegen. 1 
1 Vergl. Holzschnitte S. 202 u. 207 und beistehende Schlussvignette.  
WVenn hier einige alte oder neuere Erfindungen in der Glasbereitung ganz 
unberührt geblieben sind, so bedarf dieses kaum der Entschuldigung, wo- 
fern sie nicht eigene stilistische Bedeutung haben, denn unsere Aufgabe 
ist keineswegs eine allgemein technologische. Das berühmte KuukePsche 
Rubinglas z. B. (durch Goldlösung und Zinnauflösung prachtvoll durchsichtig 
purpurroth gefärbtes Glas) wurde bei den Alten fast eben so schön, mit Bei- 
hülfe des Kupfers als färbenden Stoffes, hergestellt. Das Hämatinon der Alten, 
dessen Bereitung in neuester Zeit durch Pettenkofer wieder entdeckt wurde, 
Fällt, als künstliche Nachahmung eines bei den Alten beliebten Halbedelsteines, 
in die Kategorie dessen, was über die Nachbildung des Gesteins durch Glas 
gesagt worden ist. Eben so ist das dem Stoffe und der Bereitung nach dem 
Hämatinon sehr verwandte Aventuringlas vielleicht schon seit Hiobs Zeiten 
bekannt, wenn die Ausleger ihn nämlich richtig deuten, eine Gestein nach- 
ahmende Paste, also gleichfalls, ohne in dem Aufsatze speziell aufgeführt zu 
stehn, durch ihn implicite in stilistischer Beziehung erledigt. Vergl. über Rubin- 
glas und dergl. die betreffenden Artikel in Beckmann, Geschichte der Erfin- 
dungen; über Hämatinon, Aventuringlas und andere Erfindungen neuester 
Glasbereitungskun st den Aufsatz: das Glas, in Abel's "Aus der Natur". Bd. 12. 
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