Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675395
Keramik. 
Teclmisch-Historisches. 
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und matt mit Moireemustern, die sich durch die Dicke der Glas- 
wand fortsetzen. Diese wundervollen Gläser sind genau nach 
der Procedur des Metalldamaseinirens entstanden; d. h. man 
sehweisste sehr feine Glasfäden oder Glasbänder nach rhythmi- 
scher Gesetzlichkeit zu einer Glasfläche aneinander. Dieselbe, 
so vorbereitet, diente dann zum Formen oder Blasen des Gefasses. 
Zweitens das doublirte Glas; Die antiken Gläser bestehen 
sehr oft aus zwei, drei und mehr verschiedenartigen Glaswänden. 
Üft ist die äussere Schicht farbig und durchsichtig glänzend, die 
untere opak-milchig und matt. 1 Zu den oben beschriebenen 
Diatretis und Gemmengläsern kam das umgekehrte Verfahren in 
Anwendung. 
Die Glasmalerei der Alten, eine Anwendung dieser Dou- 
hlirungsrnethode, ist beinahe identisch mit der durchsichtigen 
Emailmalerei auf Gold- oder Silberrelief der Cinquecentisten. 2 
Auf einem medaillenartig umränderten Gold- oder Silberblatte 
wird der Gegenstand sehr {lach en relief ausgeführt, dann imit 
durchsichtigen Emailfarhen präparirt, hierauf zwischen zwei Glas- 
lamellen, wovon die vordere durchsichtig sein muss, eingeschlossen 
und mit ihnen zu einer Masse verschmolzen. 
Mit Hülfe des Doublirens, Triplirens u. s. w. von GlaSWäIILlGII 
werden sonst unerreichbare Farhenwirkungen ermöglicht, die 
wechseln, je nachdem das Licht vor oder hinter dem Glase steht. 3 
1 Wie bei Fig. 5 der Tab. XVI der Farbendrüeke. 
2 S. Benvenuto Cellini Trattato dell" oreficeria. Milann, 1811, p. 45, La- 
barte, introduction etc. p. 156. Auch unter Metallotechnik: Email. 
3 Wenn die antiken falschen Murrhinexi Opalgläser waren und Sie nach 
der modernen Proc-edur gemacht wurden, so ist es nicht zu verwundern wenn 
sich nichts davon erhielt. Denn die metallischen Zusätze (Goldpurpur und 
salzsaures Silber), die dazu nöthig sind, dulden kein starkes Feuer,  das 
leiehtfiiissige Glas zieht die Feuchtigkeit schnell an und zerfliesst. 
Bei einem altassyrischen Glase im brittischen Museum kam mir die Idee, 
als hätten die Alten die Kunst verstanden, die durch Verwitterung hervorge- 
brachte Irisation der Glasoberflächen zu iixiren. Jener Glasgegenstand schien 
innerlich irisirt zu sein. Man setze die Oberfläche einer präparirtet: Pa- 
raison (Glasblase) der Verwitterung aus, die künstlich gefördert werden kann, 
wodurch sie die Eigenschaft des Irisirens erhält. Man gebe ihr eine durch- 
Sißhüge Dßllbliire. So wird die innerlich irisirte Glasblase sich zu einem 
Gefässe ausbilden lassen klingen, dessen ganze Oberfläche irisirt ist, das da- 
bei die schönste und härteste Glasur besitzt. Die Wirkung lässt sich vielfach 
modiiiciren je nach den Farben und Eigenschaften der Glasblase und der
        

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