Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675357
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
199 
nung bewerkstelligte, zuletzt die Masse mit einer dünnen, farblos 
durchsichtigen Glasdecke überzog. 
Derartige Pasten dienten dann entweder unmittelbar wieder 
als Schmuck (Glaskugeln, Perlen, Berlocks und dergl.) oder als 
Bildmasse, um sie zu Gefässen und sonstigen Gegenständen der 
Luxusindustrie zu verarbeiten. Diess sind die berühmten Mille- 
fiori, zu denen auch Goldblättchen und andere Elemente mitunter 
hinzugefügt wurden. 1 
Die Venezianer, welche wahrscheinlich die Filigranglasarbeit 
erst im 15. Jahrhunderte von griechischen Arbeitern erlernten, 
suchten auch die antiken Mosaikpasten nachzumachen, aber was 
sie hierin leisteten steht weit hinter jenen Vorbildern zurück, 
deren niemals bunter sondern sanft schillernder Farbenscluxielz 
und anmuthiger Wechsel des Durchsichtigen und Opaken uns 
Neueren bisher unerreichbar war. Vielleicht bestanden die von 
den Alten so hochgeschätzten calices allassontes aus dieser Mille- 
Üorikomposition, vielleichtaber auch waren sie Opalglasß 
Von dieser Benutzung der Querdurchschnitte der Glasmosaik- 
Stäbe als Elemente einer formen- und farbenschillernden Glas- 
paste unterscheidet sich nun eine zweite Verwendung derselben 
Zu dekorativen Zwecken prinzipiell, nämlich ihre Benutzung 
nach ihrer Länge. Man möchte den Unterschied zwischen beiden 
mit gewissen Verschiedenheiten in der Vcrwerthung der Fäden 
in der textilen Kunst vergleichen, 3 die in der That ganz ver- 
wandte Erscheinungen sind. Ein neuer Beleg von jener allgemei- 
nen Analogie, die alle Künste 1nit einander verknüpft, deren 
Erfassen den Ueberblick des gesammten Kunstgebietes eben so 
Sehr erleichtert wie es dem Eründen in den einzelnen Künsten 
stets neue Anhaltspunkte bietet. 4 
' Siehe Fig. 6 und 11 auf Tab. XVI der Tondriicke. 
2 Hadrian schickt seinem Schwager calices allassoxxtes, die ihm ein ägyp- 
tischer Priester geschenkt hatte, mit der Bedeutung, Sie nur bei festlichen Ge- 
legenheiten vorzuhringen. Vopiscus v. Saturnini c. 8. 
a Vergl. die Artikel iiber Sammt und Atlas, desgleichen über Stramei 
Sllßkefei und Plattstickerei, im 4ten Hauptstück des I. Bandes. 
4 Ein sinniger Mugterzeichner für Seidenmamlfakturen könnte fiir den 
Sammt ans den Millefioriglasbrxichstiicken der Alten manche Lehre und man- 
chen Anhalt für sich entnehmmL Eben desgleichen für andere Seidenzeuge, 
namentlich für Atlas, aus den Filigrandessins der antiken und venezianischen 
Gläser. Umgekehrt darf der Glaskünstler sich an den Kunstgeweben inspiriren.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.