Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675344
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Hauptstück. 
Sechstßs 
indem er die Glasstreifen, die der Glaser bei der Wiederher- 
stellung einer Scheibe zurücklässt, über dem Lichte erweicht, 
dreht, dehnt und zu langen Fäden auszieht. Der Glas faden 
ist wahrscheinlich nach dem kugelförmigen Glastropfen die älteste 
Form, worin diese Substanz auftritt. 
Er bildet das Element eines ganz besonderen hochalterthüm- 
lichen Glasstiles. 
Man beobachtete, dass mehrere Fäden verschiedenfarbigen 
Glases beim Zusammenschmelzen Form, Farbe und gegenseitige 
Lage zu einander behielten, dass ein Bündel solcher Stäbe, im 
Feuer erweicht, sich nicht nur ausspinnen, sondern auch zugleich 
nach einfacher doppelter und mehrfacher Drehung spiraliseh for- 
miren liess und seine Form in der Erstarrung festhielt. 1 
Diess führte zu der Erfindung der so berühmten antiken 
Glasmosaike. Gröbere Stifte verschiedenfarbigen Glases werden 
mosaikartig zu einem Bilde zusammengeordnet, das Bild mit einer 
einfarbigen Glasmasse als Grund umgeben, das Ganze durch 
Hitze zusammengelöthet und beliebig gedehnt. So kann das Bild 
zu jeder Kleinheit zurückgeführt werden, da sich durch das Aus- 
dehnender Stange deren Durchmesser bis ins Unbegrenzte ver- 
mindern lasst. Jeder dünne Abschnitt der Stange gibt dann das 
Mosaikbild in beliebig reducirtem Massstab. 
Das einfachste leicht herstellbare Motiv dazu sind die regel- 
mässig geordneten Blätterkronen der Blumen. Aber man führte 
in derselben Weise auch ganze Kompositionen, wenigstens ganze 
Figuren aus. 2 
Die Abschnitte dienten zum Theil als Gemmen für Ringe und 
als sonstiger Schmuck, zum Theil wurden sie von neuem als Be- 
standtheile einer buntblümigen Glaspaste benützt, indem man sie 
durch die Vermittlung eines verbindenden Kittes von durghsigh- 
tigem oder durchsehimmerndem Glase entweder ganz ungeregelt 
zusammenknetete oder ihre Verbindung nach einer gewissen Ord- 
1 In dieser Beziehung ist das Glasgespinnst vollkommener und reicher 
als das der weichen Faserstoffe, deren b'äden z. B. keine Drehuugmit dop- 
pelter Rotationsbewegung um eine freie Axe gestatten. 
3 Ueber die berühmte Ente Winkehnanns siehe dessen Geschichte d, K_ 
1. 2. ä. 22. Einen Ring mit ovalem Glaskleixiod, worauf ein Vogel, gefunden 
1790 zu Cortona. S. R. Rochette P. a. i. p. 384. Miuutoli S. 9.
        

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