Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675331
Keramik. 
Technisch- Historisches  
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unter aus der Kruste das Ornament als Intaglio heraus. Solcher 
Art war das von Achilles Tatius beschriebene Glas, mit Wein- 
reben, die erglühten, wenn dasselbe mit Wein "gefüllt wurde. 
Manchmal wurde dieses Intaglio mit andersiarbiger Masse wieder 
ausgefüllt. Buonaroti Prooem. p. XXII. 
Das 
Glas als weiche, sehr plastische. überaus dehnbare, 
hämmerbare und biegsame Substanz. 
Es ist merkwürdig und für den Glasstil bezeichnend, dass 
Eigenschaften, die man gewöhnlich am Glase am meisten ver- 
misst, kein anderer Stoff in höherem Grade besitzt als dieser, 
wenn er auf einen nur mittelmässig hohen Tbmperaturgrad ge- 
bracht wird, der noch gestattet ihn ohne grosse Schwierigkeit mit 
der Hand, zwar nicht unmittelbar, aber doch mit Hülfe einfachster 
Werkzeuge, in jede beliebige Form zu bringen und auf das 
lllannichfältigste zuzurichten. Sie sind es, die eigentlich erst den 
wahren Stil des Glases, der ihm ausschliesslich eigen ist, 
begründen. 
Unter diesen Eigenschaften sind die unbegrenzte und leichte 
Dehnbarkeit des Glases, verbunden mit seiner Hä m merb arkeit 
und Schweissbarkeit, die eben so leichte Proceduren erfor- 
dern, verbunden endlich mit der Gabe alle Farben anzunehmen, 
diese auf das Glänzendste darzustellen, und unveränderlich fest- 
zuhalten, die hervorragendsten. Sie führten zuletzt auf die Er- 
findung des Gestaltens der Glaswaaren durch pneumatischen 
Druck mit Hülfe der Glaspfeife, eines Instrumentes das der 
Töpferscheibe zunächst wo nicht gar gleich steht, einer Maschine, 
welche die Unmittelbarkeit des Schaffens mit der Hand nicht auf- 
hebt, sondern es nur auf eine bestimmte Richtung führt, auf wel- 
cher sich ihm unerschöpfliche Hülfsquellen eröffnen. Doch war 
das Blasen des Glases, wie gesagt, eine späte Erfindung; sicher 
hat Seneea Recht, wenn er in seinem 90. Briefe sie als solche 
bezeichnet; lange vorher waren die vorhingenannten Eigenschaften 
des Glases erkannt und vielseitigst ausgebeutet; das Produkt 
diente dann zuletzt der Glaserpfeife als reicher Stoff zu. neuer 
Vcrwßrthung. Wir kommen daher auf sie zurück, nach dem an- 
deren, was uns vorher beschäftigen muss. 
Zunächst ist das Spinnen der erweiehten Glasmasse zu er- 
wähnen, eine Procedur, worauf jeder Knabe von selber verfällt,
        

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