Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675313
Keramik. 
'l'echnisch-Historisches. 
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fahren seit ältester Zeit zu den unzähligen Glasflüssen, die eng- 
weder roh oder nach weiterer Umarbeitung, durch das Rad und 
die Stahlwerkzeuge, zum Schmuck des Leibes und zur Zierde 
metallener und gläserner Gefässe und Geräthe dienten. Dazu ge- 
hören auch die Glaspasten nach geschnittenen Gemmen. 
Dass Griechen und Römer zu ihren prächtigen Glasgetäfeln 
der Wände und besonders zu den eigentlichen Fensterscheiben 
dieses Verfahren (des Giessens) kannten, ist aus den zahlreich 
davon vorhandenen Bruchstücken erweislich.  
Eben so war das Giessen des Glases den Barbaren (nament- 
lich den Kelten und Iberiern) bekannt. 
Vielleicht eine Industrie dieser Völker, die sie nicht erst von 
den Römern sich erwarben, sondern ureinheimisch bei ihnen War, 
wie sie auch das Emailliren der Metalle, das die Römer und 
Griechen wohl kannten aber wenig kultivirten, mit besonderem 
Erfolge und Geschicke betrieben. 1   
In einem keltischen Grabe bei Aiibltern in der Schweiz fanden 
sich neben anderen Schmucksachen und W atTen zwei Paar Arni- 
bänder aus gegossenem Glase, das eine dunkelblau, nur durch- 
scheinend, das andere aus klarem farblosem Krystallglas, aber 
innerlich mit einer neapelgelben opaken Paste ausgelegt und matt- 
geschliifen, wodurch der Schmuck eine zart hellgelbe allgemeine 
Färbung erhält. 2 
Uns begegnet an diesem barbarischen Schmuck zuerst ein 
Verfahren, das die gesammte antike Glasbereitung bezeichnet, 
nämlich das künstliche Dämpfen und Mässigen derjenigen Eigen- 
schaft des Glases, in der wir Neueren einen absoluten Vorzug 
desselben erkennen, nämlich seiner Durchsichtigkeit. 
Zwar findet sich eine Stelle des Plinius, 3 woraus hervorgeht, dass 
das weisse durchsichtige Krystallglas zu seiner Zeit in höchstem 
Werthe stand; aber im Widerspruche damit lässt sich die Vor- 
liebe der Alten für gefärbte, nur durchscheinende, bunte 
1 Kleinere in griechischen und hetrurischen Gräbern gefundene Gegen- 
stände aus Metall sind allerdings durch eine Art von Champleveemail ver- 
ziert (Br. Mus.). Aber man findet die bekannten prachtvollen Emailgefässe 
nur in Frankreich und in England. Philostr. Imag. I. XXVIII. 
2 S. Tab. XVI der Tondriicke unter 1 und 2. 
3 Maximns tamen honos in candido translueentibus, quam proxima cry- 
stalli similitudine Plin. XXXVI. 26. 
        

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