Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675297
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
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im Allgemeinen, sie ist, besonders im Anfange, mehr lapidarisch 
als plastisch. 
Auch die Glaskeramik, als Kunst, hatte im Mittelalter nur 
noch in Konstantinopel kümmerlichen Fortbestand. Theophilus, 
wenn er von Glasvasen spricht, erwähnt nur die Griechen als 
ihre Verfertigor.  
Er schildert die Prozesse der byzantinischen Glasfabrikanten, 
die sogar zu den alten Prozessen noch neue hinzufügten, z. B. 
die Malerei mit vitriiiablen Farben, 1 den Alten missliebig, wie 
es nach dem Erhaltenen, worauf wenig derartiges vorkommt, den 
Anschein hat. 2 
Doch an Einer Stelle des westlichen Europas scheint die antike 
Glasbereitung niemals ganz ausgestorben zu sein, zu Venedig, 
wo sie so alt sein soll, wie die Stadt selbst. 3 
Aber erst seit dem 15. Jahrhunderte datirt jene venezianische 
Hyalokeramik. die den ächten und wahren Glasstil erfand, denn 
vorher war die Hauptproduktion Venedigs die sogenannte Conterie- 
waare, der Glasschmuck. Dieser Stil beruht auf dem zweiten der 
vorhin hervorgehobenen Prinzipe, dem der Waghalsigkeit, aber 
er ist hier nicht aus der Technik des Schleifens, sondern aus der 
des Löthens und Blasens hervorgegangen (obschon die feinen 
und dünngeschliffenen Krystallcälaituren dabei ihren Einfluss üb- 
ten), Wesshalb wir erst später darauf zurückkommen. 
Ganz hierher gehören dagegen die berühmten venezianischen 
Spiegel, als Anwendungen des Schleifverfahrens; mit ihren iäßßt- 
tirten Rändern, den in allerlei Umrissen konturnirten und mit 
Intaglios bereicherten Glasumrahmungen und sonstigem Schmuck, 
bequem zu machen versucht, wobei ich gleich wie von selbst auf das Ranken- 
werk des Frührenaissance geführt wurde. Unregelmässigkeiten der Aus- 
führung, stets unvermeidlich, werden durch die freie Behandlung des Orna- 
ments, nicht versteckt, sondern motivirt und zur Tugend erhoben. 
1 Die sie aber nicht mehr selber bereiteten, sondern wozu sie farbige 
Glasur aus alten Mosaikböden benützten.  
2 R. Rochette publicirt als Vignette seiner peintures antiques inäd. ein 
Stück antiken Glases mit Emailmalerei. Middleton (antiquitat. tab. V. p. 8:3 
bis 93) gibt ein solches mit Amor und Psyche. Ein drittes ward zu Cumae 
gefunden. Rochette p. a. p. 387. 
3) Carlo Marin Storia Civile e Politica del Commercio de' Veueziaui. Vene- 
zia 1788. t. I. l. II. p. 213 u. t. V. l. II. p. 143. 
Semper, Stil II.  '25
        

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