Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675267
190 
Sechstes 
Hauptstück. 
der Wunsch, die kostbaren, durchsichtigen, prächtig gefärbten 
Edelsteine, welche die Natur nur spärlich und in kleinen Stücken 
spendet, in grössestem Massstabe zu bereiten, auch ein Streben 
die Natur zu übertreffen, nicht sie nachzumachen. Daher die 
mährehenhaft-klingenden, aber gewiss nicht grundlosen, Nach- 
richten über kolossale Smaragdsäulen und Statuen aus Sapphir, 
die sich in die Legenden ältester Tempel Phöniciens und Aegyp- 
tens verwebt finden. 
Grössere und kleinere Glaskugeln, zum Schmuck, zur Hand- 
kühlung, zum Ballspielf nebst Glasliüssen in gemmenartiger 
Fassung, fand man in ältesten Gräbern Hetruriens und unter 
Tempelruinen des alten Veji, 2 das schon zerstört war, lang be- 
vor der Luxus der Glasgefässe in Italien eingeführt wurde. 
Die Kunst des Glasschneidens und Glasschleifens ist sogar 
alter als die Erfindung des Glases selbst, da sie schon an den 
natürlichen Glasflüssen,  den harten Obsidianen, um sie zu 
Waffen und Werkzeugen sowie zu Schmuckgegenständen zuzube- 
reiten, angewandt wurde. 
Es ist mir nicht bekannt 0b sich irgend wo aus voller harter 
Glasmasse geschnittene Gefässe vorgefunden habenf die meisten 
geschnittenen Glasvasen erhielten nur durch Skulpturen und das 
Rad die letzte dekorative Vollendung der ihnen im erweichten 
oder flüssigen Zustande ihrer Masse ertheilten Formen. Doch 
gehören sie wegen dieser ihnen durch die Stereotomie gewordenen 
letzten Vollendung in den Kreis dessen was uns jetzt beschäftigt. 
Die Harte und Sprödigkeit des Glases sind in gewissem 
Sinne Fehler und Mangel desselben, indem beide das Verfahren 
der Formgebung erschweren und gefährden, und letztere die 
sprüchwörtliche Zerbrechlichkeit des Glases verursacht. 
Die Kunst hat diesen gegenüber zwei Wege betreten; erstens 
kluges Kompromiss zwischen der hartnäckigen Materie und 
Schriften, 
1 Böttigerk kleine 
2 Minutoli S. 10. 
III. 
351. 
3 Dagegen sind andere alte Glasskulpturen theils vorhanden, theils haben 
wir Nachrichten darüber. Ein altes Bildwerk von Obsidianglas wird durch 
Tiber den Heliopolitanern restituirt. Unter den ersten Kaisern fand die alt. 
ägyptische Vorliebe für Skulpturen aus harten Stoffen in Rom Eingang. Aus 
Obsidian geschnitzte Elephanten, Augusifs Statue, u. a. werden von Plinius 
erwähnt.
        

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