Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675259
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
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einer tönenden Wolke über dem zitternden Krystallhimmel vorüber- 
dunnern. 1 
Die hohe Achtung in der das Glas als Sehmuckstofl" bei allen 
wilden Stämmen steht scheint die Ursprünglichkeit dieser Be- 
nutzung des Glases zu bestätigen. In dem Innersten Afrika's 
und an der Küste Guinezfs werden in ältesten Gräbern die soge- 
nannten Aggrykörner gefunden, die in jenen Ländern noch jetzt 
mit Gold aufgewogen werden, eine Art opakei- Glasmosaik und 
wahrseheinliches Produkt einer längst verlorenen inländischen 
Glasindustrie. 2 
Diese älteste Bereitung künstlicher Steine hat mit der be_ 
trügerischen Nachahmung ächter Edelsteine nichts gemein, eine 
viel spätere Erfindung der Inder oder Aegypter, die zur luxurio- 
sen Kaiserzeit in Rom ihre äusserst lukrative Messe hielt. 3 Man 
wusste sogar Bergkrystall zu färben und es existirten geschriebene 
Anweisungen darüber, die Plinius kannte, aber nicht nennen 
wollte. 
Das Ziel der ältesten naiven Steinbereitung ging vielmehr 
dahin, durch Kunst dem Steine die ihm fehlende Rhythmik seiner 
mehr zufälligen Reize zuzutheilen, die Natur zu arrangiren und 
zu verbessern, das Gleiche, was der Naturmensch, auf erster Stufe 
seiner Kunstbildung, am Blumenkranze, ja an sich selbst, durch 
Täittowirung, künstlichen Haarschmuck, selbst Verstümmelung und 
Entstellung einzelner Körpertheile, erstrebt. Es liegt darin ein 
gar tiefes Gesetz, das in geläuterter Auffassung sich in allen 
Kunstmanifestationen der Alten, sehr deutlich auch in ihrer 
Kunst des Glasbereitens, kundgibt;  so dass es z. B. unbegreiflich 
scheint, wie man sich über den Stoff gewisser antiker Glasgefässe, 
u. a. der Portlandvase, so lange hat täuschen können; denn nicht 
der Schein einer Absicht durch künstliche Nachahmung der Zu- 
fälligkeiten des Sardonyx zu beirren tritt daran hervor. Dazu kam 
' Man Endet alle betreffenden Citate in den Aufsätzen von Hamberger 
und Michaelis in den Commentt. societ. Goetting. IV. S. 58 und S. 127. 
2 Minutoli S. 20. Nach anderen ägyptische oder gar erst venezianische 
Conterie-Waare. 
3 Neque est ulla fraus vitae lucrosior! Plin. XXXVII. cpt. 12 Diese 
und eine Stelle des Sen. (Ep. 90) deuten unzweifelhaft auf das Färben der 
ächten Krystalle, nicht des Glases hin. Derartige Zweige der Kunstindustrie 
gehören gar nicht in den Kreis unserer Betrachtungen.
        

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