Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675229
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Sechstes 
Hauptstück. 
gleich begabte Künstler zur Seite standen, wurden die Hülfs- 
quellen der harten Porzellanmanufaktur im wahren , stilistischen 
Sinne gleichsam einer Revision unterworfen, durch theils aus der 
Vergessenheit gezogene theils neue Proceduren bereichert, in an- 
deren Fällen auf ihre Sßehranken zurückgeführt. 1 
Obschon ein Anlehnen an Werke früherer Blüthezeiten der 
Künste (zum Theil aus anderen Stoffen) dieses Streben im All- 
gemeinen eharakterisirt, so sind die Ergebnisse desselben doch 
keineswegs Kopieen; die Motive erlitten vielmehr eine Umwand- 
lung, die aus künstlerisch wahrer Auffassung der neuen Be- 
dingungen des anderen Stoffs, der anderen Zwecke, der verschie- 
denen Mittel, und aus derniEingehen auf dieselben, hervorging, 
so zu sagen als Kunstnothwendigkeit. 2 
Was neuerdings nach Dieterlds Rücktritt in Sevres gemacht 
1 Viele Errungenschaften der modernen Porzellantüpferei, z. B. das abso- 
lute Weiss der Paste und Glasur, die Glanzvergoldung, die Erkiinstelung einer 
überreichen Farbenpalette, die dem schwierigen Stoffe nicht natürlich ist, die 
geleckte Ausführung, waren zu bekämpfen. Manchmal waren sogenannte Voll- 
kornmenlleiten künstlich zu überwinden; z. B. musste der grünliche Natur- 
hauch des chinesischen Porzellans durch Färbung der zu weissen Paste er- 
kiinstelt werden. 
2 So entstanden im griechischen Stile aufgefasste weisse Bisquitvasen 
feinster Durchbildung, mit matter polychrorner Malerei. Andere mehr plastisch 
verzierte schliesscn sich den kampanischen Vasen an. 
Die schönen Limusiner Emailgefässe, auf schwarzem Grunde en Camayeux 
oder farbig bemalt, gaben gleichfalls Anhalt zu einer Reihe neuer Compositio- 
nen, bei denen die Hülfsmittel des Emails und der Vergoldung sich verschie- 
dentlichst bethätigen. Die feuerbeständigen Farben, die wenigen, auf die man 
beschränkt ist, wenn die Paste des Porzellans gefärbt oder auf ihr unter der 
Glasur gemalt werden soll, gaben, so angewandt, mit ihrer Oligochromie 
den Schlüssel zu der entsprechenden Behandlung der Form. Auch dieser 
Weg wurde, für Gartenvasen und dergL, mit Glück uud Originalität betreten. 
Sodann gaben die Fayeneen des 16. Jahrhunderts neue Anhaltspunkte der 
Erfindung. 
Aber das Beste, was diese kurze Bliithezeit der Sevresmanufaktur her- 
vorrief bewegt sich doch im eigentlichen Porzellanstil, Es sind, die gech. 
nischen Motive der Chinesen in europäisch-geistreicher Verwerthung. Grosse 
flaschenförmige Vasen mit freier Pfianzenaraheske und feinsinnigen aber an- 
spruchslosen Malereien, mit reliefartig pastoser Behandlung des Email, Cise- 
liiren unter Decke und dergl. mehr. Die schönsten Produkte dieser Art, die mir 
zu Augen gekommen, sind vier mächtige Blumengefiisse, mit den vier Jahres- 
zeiten und Pflanzenschmuck, in der Pariser Industrieausstellung von 1854. 
S. über dieselben Bucher's Berichte in der Nationalzeitung von 1854.
        

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