Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675219
Keramik. 
Teöhnisch-Historisches. 
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und der Technik, welche die Schranken formaler und dekorativer 
Behandung auch des schwierigsten Stoffes fast in das Unbestimm- 
bare erweitern. Hieraus erklärt sich zum Theil der zugleich 
schrankenlose und erfindungsarme Zeitgeschmack, der sich an 
diesen und an den meisten anderen Produkten neuester Kunst- 
technik kundgibt. Blindes Nachbilden Iund eventuelles Ueber- 
bieten der Eigenheiten des Vorherdagewesenen war bis jetzt bei- 
nahe das alleinige Resultat aller dieser Vortheile. 
Auch der Ruhm des alten Sevres soll verdunkelt werden. 
Dabei ist natürlich das erste auch die schlechten Formen des alten 
Sevres nachzumachen und zu überbieten; dann soll die Dar- 
stellung absolut reiner Farbenstoffe, neueste Errungenschaft der 
Chemie, diesen Sieg sichern. Aber was sind diese abstraktblauen 
Mintonwaaren mit ihren glitzernden Prachtvergoldungen gegen 
das milde, obschon prächtige, Blaugrün oder Amarant und das 
matte Gold der Pompadours und Dubarris? Dieses nur als Beispiel. 
Wir bemerkten, dass mit 1804 zu Sevres der Einfluss des Empire 
zu herrschen anfing, das den Porzellanstil von seiner heroischen 
Seite zu nehmen versuchte, im Gegensatz zu der indisch-Weichen, 
tändelnden Auffassung desselben in der Regencezeit und später. 
Zeugen die römischen, ägyptischen und "olympischen" Riesen- 
krater, Surtouts, Tische und dergl. mit ihren gemalten Siegen, 
kolossalen Porträtmedaillons , Landschaften, riesigen Blumen- 
bouquets und überschwänglichen goldenen Lorbeerkränzen,  Ge- 
schenke für Kaiser und Könige. 
Was darauf folgte, unter Charles X. und Louis Philippe, War 
der Anfang der modernen Stilkonfusion und gleichzeitigen ob- 
jektiven Nachahmung aller Stile. 
Es hatte eine kurze Zeit hindurch den Anschein, als 0b sich 
aus der durch kunsthistorische Kritik geleiteten eklektisehen Rich- 
tung, unter dem Einflusse und der Betheiligung einiger Künstler 
von Geist, Geschmack und vielseitigster Bildung an den Klein- 
künsten, namentlich an der Keramik, der Ebenisterei und der 
Goldschmiedskunst, für letztere eine bessere Periode vorbereitete. 
Die Manufaktur von Sevres ging in dieser Beziehung mit dem 
besten Beispiele voran. Unter der (artistischen) Leitung dieser 
Anstalt durch Dieterle, dem Klagmann als Modelleur und andere 
Semper, 5m 11. 24
        

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