Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675200
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Sechstes 
Hauptstück. 
und gleichen Glanzes fähig ist wie auf der Flintglasdeeke der 
porcelaine tendre.  
Die bezeichneten Vorzüge und Nachtheile der Fabrikation 
erklären die Mängel sowie die brillanten Eigenschaften des Fabri- 
kats; dem es in der Beziehung an Stil gebricht, als die un-- 
plastische im Feuer sich entstaltende Masse zu plastisch behan- 
delt wurde. Mit den unschönen Barokformen (das eigentliche 
zierliche Rococo trifft man selten) vermag die brillanteste und 
schönste farbig malerische Ausstattung nicht vollständig auszu- 
söhnen. Eine Richtung zum Besseren tritt gegen das Ende 1 
der kurzen Existenz dieser Kunsttechnik hervor, in ihrer An- 
wendung zu Inkrustationen für die zierlichen Meubles aus der 
Regierungszeit Ludwigs XVI. (Siehe unter Tektonik.) 
Obschon der Paste nach verschieden, stehen dennoch die so- 
genannten natürlichen weichen Porzellane, wie sie noch heute 
in England gemacht werden, in stilistischer Beziehung den alten 
Sevres sehr nahe. Ihre Erfindung ist etwas älter als die der 
letzteren, denn schon 1745 existirte eine Fabrik in Chelsea, die 
eine Art Porzellanfritte machte. 
Die Entdeckung der Kaolin- und Feldspathlager in Kornvallis 
und die Einführung dieser Stoffe in die Paste brachte sie der 
ächten Porzellanpaste bedeutend näher. Seitdem sind die Fabriken 
in Staffordshire an Bedeutung die vornehmsten, wo, im Anfang 
dieses Jahrhunderts, Ch. Spode zuerst den phosphorsauren Kalk 
(gebrannte Knochen) der Masse zusetzte; die dadurch erreichte 
Verbesserung der Paste wurde vervollständigt durch Ridgway, 
Shelton und andere. 
Diese Paste ist weicher (leiehtilüssiger) als die des ächten, 
aber etwas schwerHüssiger als die des Sevres-Porzellans. Dazu 
ist sie durchscheinender als beide und bedeutend plastischer als 
die letztere. Die Glasur ist meistens flintglasartig, etwas härter 
als die der alten Sevres-Waare, aber weniger brillant und mehr 
geneigt kleine Risse zu bekommen. Uebrigens wird sie wie die 
Paste selbst fast von jedem Fabrikherrn anders zusammengesetzt 
und anders behandelt. 
Die Fabrikation ist viel leichter und billiger als die des alten 
Sevres und selbst des ächten Porzellans. Dazu kommen die Hülfe 
der Dampfmaschine und so viele andere Voirtheile der Mechanik 
' Eine seltene Ausnahme von der knnsthistorisehen Regel.
        

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