Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675199
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
183 
Das 
weiche 
(künstliche) 
Porzellan. 
Diese Initiative sollte auf eine merkwürdige Abzweigung des 
in Rede stehenden keramischen Fabrikats übergehen, auf die man 
(schon vor der Böttgefschen Erfindung) durch das gleiche Streben 
die chinesische WVaare nachzubilden in Frankreich geleitet wurde. 
Schon 1695 wurde in St. Cloud bei Paris durch einen 'l'öpfe1- 
Namens Morin die sogenannte Weiche Porzellanwaare hervorge- 
bracht, die von Zeitgenossen sehr gerührnt wird. Eine andere 
Fabrik, die von Chantilly, unter der Direktion der Gebrüder 
Dubois, machte seit 1735 jener älteren Konkurrenz. Ihr Nach" 
folger Gravent verkaufte das Geheimniss der Manufaktur an den 
Finanzintendanten Ovry de Fuloy, der eine 30jährig privilegirte 
Aktiengesellschaft darauf begründete und die Fabrik nach Vin- 
cennes verlegte. Unter Louis XV. kam sie unter dem Titel einer 
königlichen Manufaktur nach Sevres und im Jahre 1760 ward sie 
durch Ankauf königliche Domaine, mit einem Sukkursalfonds von 
100,000 Franken jährlich. Sie erhielt sich in ihrer Eigenthüm- 
lichkeit bis 1804, in welchem Jahre (unter Brongniart) die Fabri- 
kation der schönen porcelaine tendre gänzlich aufhörte und 
dafür der Geschmack des Empire in der porcelaine dure 
sich hart genug zu bethätigen Gelegenheit fand. 
Die künstlich zusammengesetzte Paste der porcelaine tendre, 
worin kein Kaolin, überhaupt sehr wenig plastische Erde (Alaun) 
enthalten ist, die bis zur Erweichung erhitzt wird und dann eine 
Art von Vitrifikation bildet, erschwert und beschränkt die Form" 
gebung, deren Hülfsmittel sich wesentlich auf das Abformen, das 
(gesundheitsgefährliche) trockene Abdrehen und die Applikation 
durch Löthung beschränken. Nachdem die geformte Paste bis 
zur Verglasung gebrannt worden, in welchem Zustande sie Bis, 
quit heisst, wird die Hintglasähnliche Krystallglasur aufgesetzt, 
deren berühmter Glanz, deren nie erreichte Farbenpracht das 
Resultat einer sehr mühsamen und sorgfältigen technischen Be- 
handlung und eines oft fünffach wiederholten Brennens ist. 1 
Dazu kommt die Emailmalerei, die auf keinem anderen kera- 
mischen Fabrikate gleicher Vollendung, gleicher Farbenpracht 
1 Besonders berühmt sind die Türkisgriinde und die Rosagründe, ä. 1a 
Dubarry, der alten Sävres Porzellane, die kein Manufakturist mehr in gleicher 
Anmuth und Frische hervorbringt.
        

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