Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675151
Keraxgik. 
Technisch-Historisches. 
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datirt diese Erfindung erst aus dem 7. Jahrhundert nach Christus, 
nach andern ist sie älter als die Geschichte China's selbst. 1 
Stoff und Behandlung desselben sind der Hauptsache nach 
stets unverändert geblieben; bekanntlich eine Mischung aus Kao- 
lin (verwittertem Gneis oder Granit, zusammengesetzt aus Kiesel- 
erde, Thonerde und Wasser) und Feldspath (Petunse 2) als 
Schmelz (fondant); eine Mischung die bei sehr starker Gluth zu 
einer feuersteinharten, feinen, durchschimrnernrlen Paste zusam- 
rnensintert; bei demselben Hitzegrade erhält diese einen quarz- 
und feldspathhaltigen, metallfreien, sehr harten, durchsichtigen 
und brillanten Ueberzug. ' 
Aber der Stil der producirten Gegenstände erlitt mit den 
Jahrhunderten schon in China sehr bedeutende Veränderungen. 3 
Der barok-plastische Geschmack, Ueberladenheit, vielseitige, 
eckige und naturalistische Formen, statt der Rotationsoberiiächen, 
sehr gesuchte neue Schmuckmotive, treten an die Stelle des 
alten Gemmenstils; oder es werden statt der harten und edlen 
Yu's die gemeinen weichen Specksteine und das durch sie be- 
günstigte baroke Schnitzwerk formenbestimmende und dekorative 
Potenzen, die auf den Porzellanstil einwirken, obschon sie an sich 
der glutherzeugten feuersteinartigen Paste durchaus widersprechen. 
Dennoch erhielt sich, in China, das bessere Princip in den ein- 
fachen Nutzprodukten, den Tafel- und Theeservicen und dergL, 
welche man dekorativ auszubeuten den Sinn hatte. Der Naturalismus dieser 
Verziernngsweise entspricht dem freien Rankcnwerk, der unregelmässigen 
Vertheilung und Ausstreuung der Blumenzierden, Medaillons, Landschaften 
und anderen Motiven der Dekoration, die im Allgemeinen die alten chinesi- 
schen Porzellanwaaren eharakterisiren. 
Die Vergoldung ist, wie schon. bei der chinesischen Steinwaare bemerkt 
wurde, nach unsern Begriden unvollkommen, d. h. matt, und auf der Vase 
selbst sehr sparsam angewandt. Dafür wird auf reiche (aber ebenfalls matte) 
Goldgarnitur gerechnet. Diese besteht bei einer gewissen Sorte grössei-er 
chinesischer und japanesischer Porzellangefässe aus einer vergoldeten Reispaste. 
1 S. Stanisias JulienzLTiistoire de 1a fabrication de la porcelaine chinoisc. 
Paris.  Chine moderne, seconde partie, par M. Bazin S. 638.- Monographie 
über die Geschichte des japanischen Porzellans von Hoffmann. In dem erst- 
genannten Werke mit abgedruckt. 
2 Das chinesische Fossil, Petunse genannt, ist etwas grünlich, woher der 
unnachahmliche Seladonschimmer der chinesischen weissen Porzellane. 
3 Die alten meistens kleinen Porzellane sind in China fast noch seltener 
(wenigstens käuflich) als in Europa. Man bezahlt sie mit ungeheuren Preisen, 
sucht nach ihnen in Flüssen, gräbt nach ihnen in Brunnen und verfälscht sie.
        

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