Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675145
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Sechstes 
Hauptstück. 
in das klarere Seegrün hinüberspielt; desgleichen in der Deco- 
ration, die entweder mit der Masse als Hach vertieftes oder 
flach erhabenes Muster sich identificirt, oder mit der diese 
Masse bcdeckenden Steinglasur Eins ist, ein in glänzenden, theils 
opaken theils durchsichtigen, Farben schillerndes Emailrelief. Was 
auch immer sonst für Mittel der Decoration vorkommen, so haben 
diese stets den gleichen Charakter des innigsten Verschmelzen- 
seins mit und Hervorgehens aus dem Stoffe. 
Ganz getrennt davon sind dann ihre Garnituren, d. h. ihre 
äusseren meistens metallenen Glieder und Einfassungen, durch 
die sie wieder der, gleiche Garnitur bedürftigen, Gemmengefass- 
kunst zugeführt Werden. 1  
Die alte Geschichte des Porzellans ist dunkel. Nach Davis 
1 Die älteren Chiuagefässe sind meistens schüsselförrnig, schalenförmig, 
eiförmig, cylindrisch, flaschenfiirmig, immer ungegliedert, da. sie die Gliederung 
erst durch die Garnituren erhalten. Ausser dem Seladon, das gleichzeitig aus 
der Farbe des Grundes und einer besonderen Abtonungwder Glasur hervor- 
geht, kommt das Tiirkisblau (das Caeruleum der Alten) als Grund am häufig- 
sten vor, der aber eine Glasurfarbe ist, obschon die stets grünliche Masse da- 
bei mitwirkt. Ausserdem noch Purpur, Helliudigo, Dunkelviolet, Blau (bleu 
du roi). Das Weiss ist niemals ganz entschieden, sondern spielt immer in 
jenen klaren grünlichen Ton, wovon schon im 'I'exte die Rede war, der dieser 
Waare einen so eigenthiimlichen Reiz zutheilt. 
Die Verzierungen sind erstens ciselirtfk gleichsam aus der Masse ge- 
schnitten, und dann wieder mit der durchsichtigen Krystallglasur zugedeckt, 
deren Spiegelfläehe durch die durchsichtigen Zwischenräume anmuthig unter- 
brechen und gemildert wird,  oft geht dieser Schmuck vollständig in durch- 
brochenes Filigrannetzwerk über; zweitens plastisch, unter, und auch nicht 
selten über der Glasur, mit Porzellanmasse flach erhaben ausgeführt,  eigent- 
liche Skulpturen an Henkeln, Deckeln und Füssen sind an den ältesten Por- 
zellauen selten, da sie auf Metall- oder Holzgarnituren berechnet sind; drit- 
tens malerisch, in farbigem Email, aber pastos behandelt, reliefartig, nicht 
in der davon ganz verschiedenen Manier der modernen Kassettenemailmalerei. 
Der gemmenartige Glanz dieses chinesischen quarzhaltigen harten Porzellan- 
schmelzos ist nur durch Augenschein fasslich, kann nicht beschrieben werden. 
Eine merkwürdige in stilistischerBeziehung lehrreiche Dekoration der Glasur 
ist das Netzwerk des alten sogenannten Krackporzellans, ursprünglich ein 
Fehler der mit der Paste nicht homogenen Glasur, die Sprünge bekam 
z Weil flache Muster und Gnillochen in der Paste sich durch den Prozess 
des nmonlage ä. la croüte" leicht ausführen lassen sind sie in den Fabriken 
sehr gebräuchlich, aber welcher Missbrauch wird damit getrieben, wie sind die 
schweren und baroken Schnörkel gewisser moderner Produkte so ganz das 
geschmaekloseste Gegentheil der feinen chinesischen ciselirten Porzellane.
        

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