Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675123
176 
Hauptstück. 
Sechstes 
erinnern , denen 
widmet wurde. 
bereits 
oben 
eine 
Notiz 
mit 
Abbildung 
126. 
Porzellan. 
Hartes 
P 0 rz e llan (Porcelaine dure, 
Brongniart). 
nach 
Das alte Rathsel der Archäologie über die antiken murrhinisclien 
Vasen ist noch immer nicht gelöst. Wir dürfen aber, nach allem. 
was wir von alten Schriftstellern über die Eigenschaften dieser 
kostbaren, durchscheinenden, purpurschimmernden Geräthe erfah- 
ren, für gewiss annehmen, dass es ächte und unächte Murrhinen 
gab, die ersteren aus einem Fossil geschnitten, letztere in ihrer 
Nachahmung aus einer Paste gebildet. Diese war aber höchst 
wahrscheinlich nicht Porzellan, denn sonst hätten sich Scherben 
dieses unzersetzbaren Stoffes hier und da vorgefunden, da der 
Gebrauch der falschen Murrhinen ziemlich verbreitet war, son- 
dern Opalglas, 1 oder ein anderer wegen seiner Mischungsverhält- 
nisse leicht zersetzbarer Stoff, wodurch das Verschwinden jeg- 
licher Spur derselben nach so vielen Jahrhunderten erklärlich wird. 
Wie dem auch sein mag, so dürfen wir in dem chinesischen 
Porzellan ein Resultat ganz gleicher Bestrebungen, ein für den 
Genuss heisser Getränke und Speisen geeignetes Surrogat für 
Gefässe aus fossilem Stoffe gleichen Zweckes, erkennen. 2 
Dieser Voraussetzung entsprechen die chinesischen und japa- 
nesischen Porzellanwaaren, in gleichem Grade wie ihrer Bestim- 
mung und der schwierigen Technik der Porzellanfabrikation. 
Sie sind für den raftinirten Genuss berechnete Luxusgefässe, 
sie tragen immer ihre spezifisch praktische Bestimmung zur 
Schau und sind in dieser ihrer realistischen Schranke, die den 
1 Nach einigen soll die Basis des Murrhinum Flussspat gewesen Sein, ein 
ebenfalls verwitterlicher Stoff. 
2 In der That soll in China ein kostbares Fossil, Namens Yn, zu Schalen 
und Gefässen von unschätzbaren: Werthe verwandt werden, dessen Existenz 
aber von anderen wieder in Zweifel gezogen worden ist. Vergl. in Böttigers: 
Kleine Schriften Bd. II. S. 152 den Aufsatz: die murrhinischen Gefässe, und 
Becker: Gallus S. 144. Beide Schriftsteller, bei denen die bezügliche Literatur 
zu finden ist, neigen sich der Ansicht zu, dass die Murrhinen chinesisches 
Porzellan waren. 
Iüussspat gewesen 
ein 
sein,
        

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