Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675115
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
175 
Missheirathen des Gustav-Adolf-Elendskollers mit der Krin0- 
line, trunkene massive Bierlaune, besserenfalls akademische 
Herablassung eines müssigen Bildhauers, der sich in Walhalla- 
formen ergeht, die man wohl in Gyps ausgiessen, aber nicht in 
Steingut brennen darf, bestenfalls auch hier mangelhafte Kopieen 
nach guten mittelalterlichen Vorbildern.  
Die letztgenannten Missgeburten des Geschmacks fallen weni- 
ger den Engländern als den kontinentalen Steingutmanufakturisten 
zur Last. Die deutschen sind die schlimmsten. Aber auch Frank- 
reich bringt nur manierirtes Zeug hervor. 1 
Wenn ich nach dem Besten was der Kontinent, seit Böttger, 
in diesem genre des Steinguts gemacht hat mich umsehe, bleibt 
mein Blick bei den Bunzlauer braunen Kaffeekannen. aus früher 
Jugendzeit in bestem Angedenken, stehen. 
Das ist wahres, echtes, körniges, solides, stoss- und feuerfestes 
und doch leichtes Steingut, von sehr einfacher, aber durchaus 
nicht unschöner, weil Zweck entsprechender, Grundform], mit sehr 
gefälliger, rostfarbener Glasurhaut und grauweissem gekracktem 
Unterfutter, kurz in allem vortrefflich, und doch in keiner Be- 
Ziehung Nachahmung von irgend etwas Früherem. Dann bleibt 
noch zu erwähnen die verdienstliche Wiederaufnahme der polir- 
ten Steinwaare, die der Besitzer der Manufaktur zu Saargemünd, 
Utzschneider, im grossartigen Massstabe versucht hatr Nämlich 
sehr harte rothe und dunkelgrüne sogenannte Porphyr- und Jaspis- 
paste, woraus grosse Vasen, Kandelaber, Kaminbekleidungen, 
selbst Säulenschäfte geformt werden, die in der Schleifbank ihre 
Politur erhalten. Doch findet diese Waare keinen Absatz, in der 
That ist sie unverhaltnissmäissig theuer. Die Idee ist gut, aber 
zu weitgreifend. 
Somit müsste die Antwort auf die oben gestellte zweite Frage, 
über die Erfindungen der Gegenwart auf dem in Rede stehenden 
Gebiet, ziemlich kleinlaut ausfallen. Man müsste sogar bemerken, 
dass sich die Gegenwart noch nicht einmal in der Benutzung des 
Alten sonderlich sinnreich oder thätig bewiesen hat, dessen Hülfs- 
mittel noch lange nicht erschöpft sind. Ich darf nur an die schö- 
nen Mosaikemails der ältesten ägyptisch-etruskischen Steinwvaaren 
Seite 
Lou- 
1 Selbst das von Brongniart den mittelalterlichen Steinkrügen zur 
gestellte Fabrikat des Malers Ziegler wcllte mir damals, in der grossen 
lloner Ausstellung (1852), keineswegs gefallen.
        

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