Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675102
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Sechstes 
Hauptstück. 
die Freiheit des Glaskiinstlers zeigt sich in der Behandlung dieser 
Sujets, bei der keine durch dic Zufälligkeiten des Steins veran- 
lasste Hemmungen stattlinden. Wie ganz anders gebunden und 
accidentirt ist auf wahren Kameen die bildnerische Behandlung! 
Wedgwood nimmt opakes Steingut für Glas und leimt seine 
aus Stahlformen gepressten Figuren auf den Grund. Auch hier 
eine verwandte aber doch verschiedene Technikl Sie musste die 
Nachahmung modificiren. Das thut sie aber nicht. Es ist dasselbe, 
aber auch nicht dasselbe, und doch auch nicht genug was Anderes! 
Nichts destoweniger soll auch dieser Schcinrückkehr zu den 
antiken Traditionen der Technik ihr grosses Verdienst verbleiben. 
Kommt drittens die Imitation des chinesischen Steinguts, wovon 
hier, neben dem oben genannten ächten Chinageiässe, ein schönes 
Exemplar vor mir steht. Der Jaspisgrund fast so fein und feurig 
wie der des chinesischen Topfes, die Emailglasur zwar nicht so 
pastos und frisch, aber dennoch der chinesischen nahe kommend, 
die Form griechisch (eine unten abgeflachte Amphora), mit (etwas 
zu chinesischen) Blumen frei überstreut. Diese Mischung grie- 
chischer Grundform mit chinesischer Dekoration ist gewagt, aber 
nicht absolut verwerflich, da der (chinesische) Stoff gleichsam ver- 
mittelnd auftritt. Ich halte diesen genre der iVedgwoodsteinwazirc 
für den glücklichsten, aber er ist "Kaviar für die Menge". 
Kommt der sogenannte Parian (parische Marmor) und was dem 
nahe steht, keine Erfindung, sondern eine Modifikation des Por- 
zellanbisquit, aus einem Uebergangsstolfe zwischen Steingut und 
künstlichem Porzellan (porcelaine tendre). Wird zu Basreliefs 
und selbst zu Statuetten und Gruppen verwandt, aber auf Kosten 
des guten Geschmacks; denn die ungemein starke und ungleiche 
Retraite, bei der Gluth, die dieser Stoff bedarf, täuscht jede Bc- 
rechnung des Modelleurs, auch erweichen in dem starken Feuer 
alle plastischen Schärfen und Feinheiten. Ein Koloss, dem die 
Beine versagen, erinnert doch wenigstens an eigene Wucht, aber 
ein in sich gesunkenes windschiefes Wichtchen ist unheimlich, 
fast grauenhaft. Doch man liebt einmal diese Zuckermännlein! 
Besser macht sich dieser Stoff bei Gefässen, doch muss die Form 
gut, d. h. der Schwierigkeit in der Erhaltung derselben entspre- 
chend, gedacht sein. 
Das ist Alles!  Doch nein, es muss noch der neuesten Stein- 
waaren im plastischen Stile Erwähnung geschehen.
        

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