Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675091
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
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Können wir dasselbe von den neuesten Steingutfabrikaten 
durchweg behaupten? und worin bestehen die Fortschritte oder 
die Erfindungen, deren unsere Zeit auf diesem Gebiete sich rüh- 
men kann? 
Wir müssen auf die erste dieser beiden Fragen sofort verneinend 
antworten, obschon das moderne Steingut sich zumeist auf die 
Nachahmung beschränkt, aus deren Banden sie selbst die fast un- 
endliche Zahl neuer stolflicher Verbesserungen und neuer tech- 
nischer Auskünfte, auf die man gekommen ist, nicht zu befreien 
vermochte. 
Zunächst kommt hier England in Betracht. WVas der hoch- 
berühmte Wedgwood auf diesem Gebiete erfand oder leistete, ist 
noch immer dasjenige, woran der Glanz und der Vortritt der 
englischen Fabrikation hängt. Den ersten Namen erwarb er sich 
durch seine Nachahmungen grako-italischer Terrakottavasen, Wo- 
nach er seine neue Werkstatt, bei Stock upon Trent, Etruria taufte. 
Sie tragen oder sollen den Charakter einer Kunstwaare tragen, 
die einem ganz anderen Gebiete der Keramik angehört, erman- 
geln daher der Originalität, sowie alles, was Wedgwood in diesem 
Geschmacke für moderne Zwecke Neues lieferte; dem übrigens 
sein grosses Verdienst, den Geschmack gereinigt zu haben, ver- 
bleibt. 
Nun folgen die Portlandvase und in ihrem Genre ausgeführte 
Steingutgefasse. 
Das Original ist schon Kopie, aber eigentlich doch nur in der 
stofflichen Beschaffenheit (des durchscheinenden Glases) und in 
der technischen Ausführung Nachbild eines Onyxgefasses, nämlich 
ein milchig- weisser Glasüberzug auf dunkler gleichfalls durch- 
scheinender Unterlage, nach Art der Kameen ausgeschnitzt, so 
dass nur die Sujets in Weiss auf dem Grunde verbleiben und 
in den feinsten Tinten in letzteren übergehen; Aber 
xiem Korn; das grobe Steingut besteht fast allein aus Pfeifenthon; bei dem 
{einen treten Zusätze von Kaolizi, Feldspath und anderen Stoffen hinzu, die 
theils als Schmelz, theils als färbende Zuthat, oder in anderer Weise die 
Eigenschaften der Paste mudiiiciren. Die Glasur, wo sie stattfindet, ist ent- 
weder ein glasiger Anüug, fast ohne Dicke, aus Seesalz, Potasche und Blei- 
oxyd (letzteres in sehr geringer Beimischung) zusammengesetzt, oder sie ist 
flüssig aufgetragen. ein bleihaltiges Glas, mehr oder weniger hartfliissig. Der 
Emailschmuck selbst, dick, reliefartig aufgetragen, bietet geringere Schwierig- 
keiten als bei anderen Stoffen u. s. w. Vde. Brongniart II. S. 192.
        

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