Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675072
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
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In Europa kommt das Steingut, als Kunstwaare, zum ersten- 
male gegen Ende des Mittelalters vor": die mit Recht gepriesenen 
deutsch-flämischen irdeneii Trinkgeschirre, deren noch vorhandene 
Menge, obschon sie zwei Jahrhunderte hindurch nicht mehr ge- 
macht wurden, Beweis gibt von der ungemeinen Produktivität 
der Töpfereien, woraus sie hervorgingen. '  
Diese waren vorzüglich im Rhcinthale thätig, woselbst die 
beste Pfeifenerde sich voriindet (Valendar, Grenzhausen und an- 
dere Stellen unweit Koblenz), aber auch in Augsburg, Nürnberg, 
Regensburg, Mansfeld und anderen Gegenden Deutschlands. 
Die ältesten sind aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts, 
ihre Fabrikation hörte auf im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. 
 Sie sind sehr verschieden, sowohl in der 
tk-  Technik wie in der stilistisch-formalen Be- 
   handlung, welche letztere vorzugsweise pla- 
  stisch ist.   
 k Meistens einfach kompakte cylindroidisehe, 
(i!   konoidische und ovoidische Grundformen, 
 lüvllilllllfllllllli  -ber äusserlicli auf solider Basis fein r fi- 
t! klllllllljr. 5'   P 0 
iwg, i. lirt, der plastischen aber starkgebrannten 
l Masse entsprechend, mit eingedrückten Flä- 
  ehendekorationen, flach erhabenen Mustern, 
 Motiven , die an metallische Vorbilder erin- 
  nern, sodann mit aufgepressten meistens 
ltuüeglischxanne. flachen Reliefs, zum Abformen geeignet, 
häuiig aber auch sehr reich mit applicirten 
(auf die weiche Masse geklebten) Skulpturen en ronde bossc. 
Mitunter sehr barok, besonders die flamländischen Produkte, die 
sich durch plastische Fülle auszeichnen. 
Doch mangelt ihnen auch nicht der farbige Schmuck, der 
auf dem zumeist naturfarbigen Thongrunde besonders wirksam 
ist, ein Prinzip was diesen Produkten eigne stilistische Bedeutung 
ertheilt. Dazu kommt die massige Beniitzung des Goldes und 
das zumeist integrirende, d. h. zur Vervollständigung des Kunst- 
 1 Obschon der deutsche Ursprung dieser Kunstteehnik nicht zu bezweifeln 
ist. obwohl auch die meisten Gegenstände dieser Art durchaus deutschen Typus 
tragen, brachten doch auch Frankreich und Italien Leistungen derselben Gat- 
tung, aber mit eigener Charakteristik derselben, hervor. Beispiel die beige- 
fügte italienische Kanne (nach Brongniart). 
        

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