Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675064
170 
Sechstes 
Hauptstück. 
kenswerth durch ihre G-rösse, wie z. B. die bekannten chinesi- 
schen Gartenstühle. Ihre kompakten Formen sind in zwecklicher 
sowie in technischer Beziehung gleichmässig wohl verstanden, 
ihre farbigen Glasuren (fonds de couleurs au grand feu), obschon 
überaus volltönig und glänzend, dennoch aus dem Processe her- 
vorgegangen und so zu sagen jeder Umgebung angestimmt. 1 
Die feineren Steingutwaaren sind von ausgezeichneter Masse, 
wegen ihrer Feinheit, Ilärte, gleichmässigen Dichtheit und Farbe. 
Man unterscheidet zweierlei Arten; die erste ist nicht lüstrirt, 
sondern (in der Hauptsache wenigstens) matt. Das Hauptmotixr 
ihrer Dekoration besteht in der tiefen Farbenpracht der matten 
Paste, 2 als Hintergrund andersgefarbtei- aufgesetzter Skulpturen 
oder eines dick aufgetragenen ausserordentlich brillanten mitunter 
reliefartig erhabenen Farbenemails. Dazu kommt eine sehr mitssig 
und geschmackvoll gehaltene matte Goldverbrämung, deren Ge- 
heimniss unseren Manufakturistcn nothwendig entgehen musste, 
da es grade in dem besteht, was sie daran tadeln. 3 
Selbst die regellose Vertheilung der plastischen und farbigen 
Dekorationen auf den meistens kompakten Gefasskörpern (ein 
Prinzip, das übrigens die gesammte chinesisch-japanesische Kunst- 
industrie beherrscht), ist als ein glückliches Moment der Ver- 
zierung für Steinwaare im Allgemeinen zu betrachten, das z. B. 
neben der ägyptischen Symmetrie und strengen Rhythmik seine 
volle Berechtigung hat. 
Ein zweites Genre sind solche Steinwaaren, die ihre Farben 
theils einer gelblich-weissen, mit einer durchsichtigen Feldspath- 
glasur überzogenen Pfeifenthondecke, theils einer farbigen allge- 
meinen Glasurdecläe (bei starkeln Feuer) verdanken. Diess sind 
die gröberen und grösseren Fabrikate, wozu auch die berühmten 
chinesischen Ziegel gehören. Sehr häufig ist das Innere der (aussen 
unglasirten) Steingeschirre mit einer durchsichtigen Krystallglasur 
sehr glänzend und ebenmässig überzogen. 
1 S. Art. Färberei im ersten Bande. 
2 Sie ist mild schwarz, in's bräunliche oder grünliche spielend (niemals 
pechschwarz wie Wedgwood'swaare), grünlich weiss, grünlich neapelgelb, grau, 
röthlich grau und dunkel jaspisroth. Vorzüglich letzteres ist von unnachahm- 
liuher Pracht. Ich (habe ein chinesisches Geräth dieser Art, mit farbigen 
Emails auf tiefrothem Grunde, das mir seit Jahren dienti, die Augen, wenn sie 
ermüdet sind, daran zu weiden und zu kräftigen. 
3 Z. B. Brongniart II. S. 442 unten.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.