Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675053
Keramik. 
Technisch Historisches. 
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Terrakotta, einer Art wirklichen Steinguts, bestehen, aber ihren 
Glanz auf mechanischem Wege, durch die Polirbank, erhielten. 
Andere wurden vorher mit Pfeifenthon (Kreide?) überzogen 
und dann polirt. Hier also tritt eine Nachahmung, nicht des 
Steins, sondern der bei harten Steinen angewandten Technik des 
Polirens auf. 
Wir hielten uns für berechtigt diese Produkte ältester Töpferei, 
und was sie in stilistischer sowie technischer Beziehung aus- 
zeichnet, hier zu erwähnen, weil ein Hinblick auf jene frühen Be- 
strebungen eines höchst intelligenten Industrievolkes für die prak- 
tische Frage über den Steingutstil durchaus lehrreich ist. 1 
In der That darf man das gemeinsame Gebiet der noch zu 
behandelnden Zweige der Keramik, nämlich des Steinguts , der 
harten und mürben Porzellane, endlich des Glases, in der Nach- 
ahmung der harten, mehr oder weniger edlen, Steinarten erken- 
nen, wodurch wenigstens Ein stilistischer Haltpunkt für ihre Be- 
handlung und Beurtheilung gewonnen wird, obschon selbstverständ- 
lich der Stil dieser drei Arten edler Töpferei auch durch Anderes 
bedungen ist, was die Wesenheit derselben oharakterisirt. 
Wir wollen, an das ägyptische Steingut anknüpfend, sogleich 
drei andere Momente aus der Geschichte dieses beschränkten 
Zweiges der Töpferei herausheben, um die Möglichkeit der ver- 
schiedenseitigsten Behandlung derselben bei strengster Beobach- 
tung ihrer stilistischen Grenzen und der Erfordernisse ihrer Tech- 
nik thatsächlich nachzuweisen, um schliesslich zu zeigen, wie das 
Beste was unsere Industrie, mit allen ihren Hülfsmitteln, auch 
auf diesem engsten Gebiete ihres Wirkens hervorbringt, in der 
Nachahmung des Alten besteht, wie das Hinzugefiigte. wo es sich 
zeigt, nichts als Stillosigkeit ist, womit man die alten Motive zu 
verderben bestrebt war.  
Zuerst das chinesische Steingut. Man macht in China und 
Japan seit ältesten Zeiten fast alle Töpferwaare für häusliche 
Zwecke aus Steingutfund selbst diese ordinaire Waare zeichnet 
sich aus durch zweckmässige und sorgfältige Formgebung und 
meistens auch durch schöne harmonische Farbe. Ausserdem sind 
viele Gegenstände dieser rein zwecklichen Bestimmung bemer- 
1 Wahres Steingut waren unbedingt auch jene samischen Töpfe, deren 
Scherben, wegen ihrer Härte und der reinen Wunden welche sie schnitten, 
zu den berüchtigten chirurgischen Operationen der Kybelepriester dienten. 
Semper, Stil II. 2?
        

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