Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675027
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Sechstes Hauptstück. 
Wenn es aber auch gelingen sollte, mit Hülfe sinnreieher Er- 
iindungen auf billigem Wege Gleiches und vielleicht noch Wirk- 
sameres zu erreichen, so hätte sich die Anwendung dieser Mittel auf 
diesem zumeist nur mehr kommerziellen Gebiete der 'I'öpfci'ei auf 
rein dekorative Ausstattung der WVaaren zu beschränken, so wäre 
das Naehbilden und Vervielfältigen eigentlicher Kunstmalerci auf 
Luxusgefässen als grober Stilfehler zu bezeichnen, denn, abgesehen 
von bereits berührten Bedenken gegen die mechanische Vervielfäl- 
tigung des zu Bedeutungsvollen, erheischt auch die Billigkeit der 
Waare eine gewisse Mässigung in der Entfaltung formal-dekora- 
tiver Mittel und Motive als ihr Eigenthum, ja ich möchte sagen, 
als ihr Standesreeht. Nichts ist vulgairer als leicht hergestellter 
Reichthum;  nichts würdiger als Harmonie des Zustandes mit 
dem Scheine. Wenn wir den Gewinn nicht überschätzen kön- 
nen, der aus der ermöglichten Herstellung eines unglaublich- 
billigen und dabei vortrefflichen, haltbaren und gesunden Erd- 
gcschirres den unteren Klassen, ja allen Klassen der Gesellschaft 
erwachsen ist, so können wir den Seheinluxus, der gleich- 
zeitig mit diesen und anderen wohlfeilen Fabrikaten in alle Schich- 
ten der Gesellschaft Eingang gefunden hat, durchaus nicht zu 
diesen Wohlthaten mitrechnen, noch viel weniger können wir einen 
Gewinn für die Künste und für die volksthümliche Verbreitung 
eines wahren Kunstsinnes darin erkennen. Diess gilt im Allge- 
meinen und wurde nur bei Veranlassung der Emailmalerei so 
gelegentlich hervorgerufen. 
Das 
Versilbern. 
und 
Platiniren 
Vergolden, 
Die Schwierigkeiten der Verbindung metallischer Flächen- 
dekorationen mit der Emailkruste gehen zum Theil aus der modern- 
europäischen Vorliebe für Glanzwirkung der Metalle hervor, 
eine Wirkung die die Alten absichtlich vermieden, an der auch 
die Orientalen und ganz besonders die Chinesen keinen Geschmak 
finden. Verzichtet man auf die Möglichkeit des Polirens der 
Metalldekorationen, so zeigt sich die oben angeführte Procedur, 
mit Hülfe bedruckter Papiere das Goldmuster auf den Grund zu 
übertragen, und dann die Glasurdecke darüber zu legen, als sehr" 
ergiebiges und billiges Mittel zur Beschaffung reicher Dekorationen. 
Vor dem, Wegen grosser Leichtigkeit der Beschaffung solchen 
Reichthums, nahegelegten Missbrauche desselben ist schon oben
        

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