Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1675011
Keramik. 
Technisch-Histbrisches. 
165 
In gewissem beschränkterem Sinne ist dasselbe jedoch sehr 
im Gebrauche, nämlich die Färbung der Glasur mit etwas Kobalt- 
oxyd. Das kalte Weiss, das solcherweise künstlich hervorgebracht 
wird, kann den feineren Geschmack nicht befriedigen. Bei Ker- 
zenbeleuchtung erscheinen bläulicht weisse Tischgeschirre grau, 
aber die leicht grünlichen Porzellane der Chinesen erhalten dann 
erst ihren wunderbar milden Farbenzailber, der nicht Zufall, son- 
dern wohlberechnete Wirkung ist. 
4) Farbenauftrag 
über 
der 
Glasur. 
Er ist zwietaeher Art, nämlich: 
 Auftrag unter starkem Feuer; 
b) Auftrag unter Kapselfeuer (schwach und stark). 
Der erstere kann auf die ungebrannte Glasur aufgetragen 
und mit letzterer zugleich eingebrannt werden, oder er wird erst 
aufgesetzt, wenn die allgemeine Glasurdecke schon fertig ist, wo- 
bei dann ein zweites eben so starkes Feuer nöthig wird, unter 
welchem die Glasurdecke mit dem ihr homogenen zweiten Auf- 
trage (bestehe er aus einem Grunde oder aus einzelnen gemalten 
Dekorationen) zusammenschmilzt. 
Der Auftrag unter Kapselfeuer (feu de mouile) geschieht in 
ähnlicher WVeise mit leiehtflüssigeren Emailfarben, die weniger 
innig mit dem hartflüssigen Grunde verschmolzen sind, aber als 
Glasdecke auf ihm haften. Gründe dieser Art bieten noch grössere 
Schwierigkeiten als Gründe bei starkem Feuer. 1 Dieser Auftrag 
bleibt daher der Dekoration durch Glasurmalereien vorbehalten, die 
oft ein drei- und mehrfaches Feuer bis zu ihrer Vollendung gebrau- 
chen. Man bedient sich dazu theils der durchsichtigen, theils der 
opaken Emailfarben (durch Zusatz von Chinesisch-Weiss), theils 
wird der gewünschte Effekt durch letztere und durch Lasuren der 
ersteren über letztere erreicht, wobei mehrfache Wiederholungen 
des (gefährlichen, zeitraubenden, auch kostspieligen) Brennprocesses 
nothwendig werden. 
Diese Umständlichkeit erschwert die ausgedehntere Anwen- 
dung der genannten Processc bei der Fayencefabrikation, der 
durch die Porzellane das Gebiet der Luxustöpferei beinahe gänz- 
lich entfremdet wurde. 
Brongniart II. 
640.
        

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