Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674985
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Hauptstück. 
Sechstes 
angehören. Erst zu Ende des 17. bis zu Ende des 18. Jahrhunderts 
kam, zuerst in England, die feine Fayence zu neuem Ansehen. 
Durch Zufall wurde um 1700 ein Töpfer aus Staffordshire auf die 
Idee geführt, den schwarzen Feuerstein, der beim Brennen ein 
Weisses Kieselpulver bildet, unter den Pfeifenthon zu mischen und 
damit die eigentliche feine Fayencemasse zu gewinnen. 1 
Aber die Glasur war noch der alte Bleiglanz; erst gegen das 
Jahr 1760 wurde, verrnuthlichyaus Frankreich, die durchsichtige, 
harte, sehr brillante, etwas gelbliche, kristallinische, bleihaltige 
Glasur eingeführt und durch die Verbindung beider Erfindungen 
die äehte feine Fayencewaare dargestellt. 
Jonas Wedgwood, Töpfer in Staffordshire, sammelte die Früchte 
aller vorhergegangenen Bestrebungen, indem er, gegen 1763, eine 
auf mechanische Hülfsmittel begründete Fabrik cinrichtete, dic mit 
unglaublicher Produktionskraft eine sehr feine dichte Erdwaarc, 
mit entsprechender durchsichtiger, sehr brillanter und harter, ob- 
schon noch etwas gclblicher, Glasur hervorbrachte. (Die soge- 
nannte Queen's Ware.) 
 Ausser den wahren feinen Fayencen, wovon durch ihn, durch 
andere konkurrirende Manufakturisten und durch seine Nach- 
folger unzählige Varietäten producirt wurden, ging aus diesen 
Fabriken auch eine Anzahl anderer keramischer Kombinationen 
hervor, von denen im nächsten g die Rede sein wird. 
Ausserdem waren die Engländer, und speziell die Fabrikanten 
von der Grafschaft Statford, die Erfinder vieler neuer Procedurcn, 
welche die Erleichterung der Produktion der Fayence und zu- 
gleich ihre stofflich- zweckliche und formal  dekorative Vervoll- 
kommnung bezwecken. 
Doch mit dieser Rastlosigkeit des Strebens geht die wahre 
Vervollkommnung der Waare nicht gleichen Schritt, am wenig- 
sten ist dieses in Beziehung auf das Formaldekörative der Fall. 
So z. B. hat das gewöhnliche Tafelservice seit den leichten fein 
protilirten elegant-einfachen Schüsseln, Terrinen, Tellern u. s. w., 
wie sie schon zu Anfang dieses Jahrhunderts zuerst aus Wedg- 
wood's Offizin hervorgingen, die so recht den wahren Fayence- 
stil tragen, fortwährend an formalem Gehalte verloren, Vorzüg- 
lieh seit der Erfindung und Verbreitung der weich und stumpf 
' Doch wurde nach anderen' 
wandt. (Watson, Chemical essais 
Berichten der Silex schon seit 
2 V01. London 1787, p. 255.) 
1697 
ange-
        

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