Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674971
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
161 
Wir haben angeführt (pag. 157), wie die sogenannte Mezza Ma- 
jolika eine Zeit hindurch zum Ersatz für die wahre Majolika 
diente. Man überzog die unscheinbare und poröse Terrakotta- 
masse mit einer dünnen Kruste von Pfeifenthon, dessen Weisse 
durch die durchsichtige Glasur hindurchschien und so dieser das 
Ansehen gab, als sei sie undurchsichtig. Diese Procedur führte 
auf die Idee den Terrakottakern ganz wegzulassen und das ganze 
Gefäss aus einer Masse zu bilden, deren Hauptbestandtheil die 
reine Pfeifenerde (argile plastique) ist. 
Dass die Erfindung diesen Gang nahm (dass auch hier wieder 
die Haut auf den Kern führte), beweisen die merkwürdigen und 
schönen sogenannten Henry II. Vasen ungewissen Ursprungs, die 
nach Brongniarts Untersuchung aus einem glatten geformten Kerne 
aus Pfeifenerde bestehen, über dem eine zweite Kruste von noch 
feinerer und Weisserer Masse liegt, in welche allerhand vertiefte 
Arabesken und Muster eingegraben und mit Verschiedenfarbiger 
Masse (der gleichen Grundbeschaffenheit) ausgefüllt sindß Die 
so erreichte geschmackvolle Flächendekoration dient als Fond für 
aufgesetztes frei lnodellirtes plastisches Ornament; sehr fein und 
scharf, im Geiste der lombardischen Frührenaissance; kleine Fi- 
guren, Masken, Medaillons, Fruchtgehänge, Konsolen und dergl. 
andere Motive. 
Der gleichmässige durchsichtige Ueberzug ist sehr glänzend, 
obschon ausserordentlich dünn, und spielt ins Gelbliche. 
Ausser den genannten Farben, dem gelblich weissen Grund, 
dem Ocker und dem Braun, benützte man auch Grün, Violet, 
Schwarz, Blau und seltener Lackroth. 
Dem leichten sehr plastischen Stoffe entspreehemangewandte 
Technik, formale und dekorative Behandlung, so dass es kaum 
möglich ist, sich diese Erzeugnisse aus anderem Stoffe zu denken. 
Wahre Muster freiester Herrschaft der Kunst innerhalb der Gren- 
zen des Stils. 
Die neue Erfindung, so glorreich in ihren ersten Resultaten, 
wurde, wie es scheint, für nahe zwei Jahrhunderte durch die lilajo- 
lika und das Steingut verdrängt, Abzweigungen der Keramik die, 
für Europa, dem 16. und 17. Jahrhunderte recht eigenthümlieh 
1 n.  ,   
Ockergelbe Zonen und Bander nach arabxscher We1se m emander ver- 
schlungen und mit dunkelbraunen Linien berändert. Dazwischen Blumen- und 
Rankenwerk. 
Semper, Stil lI. 21
        

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