Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674965
160 
Sechstes 
Hauptstück. 
Bandwerke, dessen vertiefte Zwischenräume wieder mit anders 
gefärbten Emailmassen ausgefüllt sind, gleichsam niellirt. Dem 
Meister waren die Mängel, die mit der Fayenceglasur verbunden 
sind, erwünschter Vorwand, um etwas Reiches, Schönes und 
Eigenthümliches machen zu dürfen. Zugleich sind sie wahre 
Muster des Stils für geformte Gefässe, die nicht wie gedrehte 
zu behandeln sind. Weil es schier schwierig ist, sie ganz rund aus 
der Form herauszubringen und Formfehler zu vermeiden,  macht 
man geformte Waaren besser nicht kreisrund, sondern oval 
oder vieleckig, lässt man die (lberiiäehe nicht glatt, sondern 
gibt ihr Nervüren und alle möglichen Reichthümer, die aus dem 
Processe des Formens von selbst hervorgehen und diesem bequem, 
nämlich Bach, nicht untergraben sind. Dadurch wird das Ab- 
formen erleichtert und der Unterschied der Kosten zwischen rei- 
chen Gegenständen und einfachen beschränkt sich auf die ein- 
malige Auslage "für das Modell. Allen diesen Bedingungen ent- 
sprechen die Alhambravase und die nach gleichem Prinzipe, aber 
noch viel geistreicher, ausgeführten köstlichen Henry U, Gefässe 1 
vollkommen.   
124. 
Feine 
Fayence, Erdwaare 
(Fayence 
Eine Erfindung, die wahrscheinlich, wie diess öfters der Fall 
war, gemacht wurde, während des Verfolgens ganz andrer Zwecke. 
 Wenigstens datiren die ältesten bekannten feinen Fayexicexi 
aus der Zeit wie die Majolikafabrikation, durch die Mode be- 
günstigt, grossen Aufschwung nahm und man noch nicht überall 
das Geheimniss der opaken Zinnglasur kannte. Man verfiel auf 
Ersatzmittel, die ihrerseits die grössten und folgereichsten Erfin- 
dungen waren und mit der Zeit die alten Proceduren, die man 
nicht herausbringen konnte, verdrängten. Nach Brongniart sollen 
weder die Alten noch die Chinesen und Japanesen die eigentliche 
feine Fayence gekannt haben, 2 S0 dass also diess die einzige 
hedeutendere Erfindung in der Töpferei wäre, deren sich Europa 
rühmen könntef 
1 Die übrigens der jetzt folgenden feinen Bäyenee angehören. 
"Indessen gesteht er doch, dass ihm einige wenige Gefässe 
dieser Gattung anzugehören schienen. (S. Band I, S. 30.) 
{H18 
China
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.