Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674958
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
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Kirschroth- und Blassrothhitze. Der letzte Brand (zur Befestigung 
des Email) ist der stärkste. 
Das Email wird in der Masse gefärbt oder die (glasigen) Far- 
ben werden nachher bei geringer Hitze auf die fertige Waare 
aufgesetzt. Die Auswahl der Farben, die bei erstgenannter Pro- 
cedur zu der Färbung der Emailmasse tauglich sind, ist be- 
schränkt. Antimoniumoxyd (Neapelgelb), Kobaltoxyd, Kupferprot- 
oxyd, Manganperoxyd (violet). Die grösste Schwierigkeit in der 
Technik bildet also der Emaillirungsprocess und das dadurch be- 
dungene starke Feuer. 
Formelles. 
Da. das schwierigste in dieser Technik die Hervorbringung' 
grosser vollkommen glatter Emailllächen ohne Flecken, Fehler 
und Risse ist, so soll man diese nicht gewaltsam erzwin- 
gen, wo sie nicht nothwendig sind, vielmehr dieser 
Schwierigkeit aus dem Wege gehen. Dieses Prinzip befolgte Luca 
della Robbia, indem er seine Werke plastisch behandelte und 
zwar derb plastisch, wegen der dicken Emailhaut, die die For- 
men verkleistert, wenn diese nicht darauf berechnet sind. 
Dem gleichen Prinzipe folgten B. Palissy, die deutschen Mei- 
ster, sowie in einer verwandten Art Töpferei die unbekannten 
Meister der Henry II. Waare. 
Auf indirektem Wege begegneten der hervorgehobenen Schwie- 
rigkeit die umbrischen Meister, welche die Mängel der Glasur mit 
Malerei bedeckten. Die neueste Fayencefabrikation thut sich viel 
darauf, möglichst grosse, weisse, reine, egale und sprunglose Ofen. 
kacheln zu produciren, was ihr auch zum Erstaunen gut gelingt, 
aber mit der Kunst ist es aus. An allen guten Fayenceöfen 
älterer Zeit (deren es beiläufig in und um Zürich und Winter- 
thur viele gibt), zeigt sich das entgegengesetzte Streben, xiämlich 
Vermeidung grosser Flächen, eine Verschwendung von Füllungen, 
Kröpfen und Gliedern, eine plastische Behandlungsweise, kein 
Trotzbieten, sondern ein wohlverstandenes Umgehen der genann- 
ten technischen Schwierigkeiten.  
In anderer Auffassung und unter anderen äusseren Bedingun- 
gen des formalen Schaffens sind die berühmten Alhambravasen 
Muster eines ächten Fayencestils! Sie sind nach dem asiatischen 
Prinzip der Flächendekoration über und über mit llacherhabenem
        

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