Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674927
156 
Sechstes 
Hauptstück. 
konventionelles inbegriffliehes Auffassen und einfach monochromes 
oder doch oligochromes Behandeln des Ornamente am Orte. In 
dieser Beziehung sind in der That die orientalischen und mittel- 
alterlichen glasirten Kacheln vortreffliche Vorbilder, denen man 
hierin folgen kann, ohne zugleich genöthigt zu sein, die für uns 
bedeutungslose Heraldik des 14. Jahrhunderts oder den Duktus 
des arabischen blumendurchwirkten Flechtwerks wörtlich nachzu- 
ahmen. l 
123. 
Majolika. 
Fayence. 
Die Erfindung der opaken Zinnglasur als Ueberzug der Terra- 
kottamasse ist nach den neuesten Untersuchungen uralt, da sie 
von den Assyriern und Babyloniern zum Ueberziehen ihrer Wand- 
Hächen angewandt wurde. Sie erhielt sich wahrscheinlich im 
Oriente während der ganzen dunklen Zeit, seit dem Untergange 
des ersten Perserrejchs bis zur Gegenwart, wurde durch die 
Mauren nach Spanien, durch die Sarazenen nach Sicilien über- 
tragen und zu baulichen Zwecken, sowie in der höheren Töpferei, 
zur Verfertigung einer besonderen Art Prachtgeschirrs, verwandt. 
Zu uns kam diese Erlindung wahrscheinlich zuerst durch die 
Vermittlung der Mauren in Spanien, die noch unter der Herr- 
schaft der Christen bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts fortfahren, 
ihre goldschillernde blumenreiche wappengezierte Töpferwaare, 
zumeist grosse Schüsseln, zu fabriciren. Ein Hauptsitz dieser 
Industrie war die Insel Majorka, woher der Name Majolika. 2 Ihr 
Stil ist noch mittelalterlich architektonisch, die Dekoration ist ein 
mit Blumen und Arabesken durchwirktes Flechtwerk, Nachahmung 
der ähnlichen Muster auf den Stuckwänden und Getäfeln der 
maurischen Gebäude. Durch sie, gleichzeitig durch arabische 
Prachtgewebe und Metallwerke, wurde dieser Geiiechtstil in Europa 
' Vergl. noch über die mittelalterlichen glasirten Waaren: Albert Way 
on encaustic tiles. Ferner: Examples of encaustic tiles by Nicole, und: Ancient 
Irish pavement tiles by Oldham. 
' Riocreux unterscheidet die mauriseh-spanische von der spanisch-mau- 
rischen Töpferwaare, letztere sei keine Fayenße, im eigentlichen Sinne, sondern 
über einer weissen Thonunterlage durchsichtig glasirt. (S. dessen Aufsatz in 
dem Moyen äge etc.)
        

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