Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674898
Keramik. 
Technisch-Historisches. 
153 
gewandt, vielleicht orientalisches Fabrikat. In Frankreich fand 
der Baron Taylor in Gräbern der alten Abtei Jumieges die älte- 
sten bekannten bleiglasirten Töpferwaaren des Nordens (12. Jahr- 
hundert), wodurch die gewöhnliche Annahme, dass ein Töpfer 
aus Schlettstadt im Elsass (lieselbe erst in: 13. Jahrhundert er- 
funden habe, widerlegt wäre. 
Die Anwendung dieser Procedur in der eigentlichen Kunst- 
töpferei scheint im Mittelalter sehr beschränkt gewesen zu sein, 
wenigstens sind Ueberreste davon selten; sie gehen, wie ich 
glaube, nicht über den Anfang des 15. Jahrhunderts hinaus. 
Eine um so glänzendere Stelle nahm sie ein im Dienste der Bau- 
kunst, wie bereitsangeführt worden ist. 
Das Charakteristische dieser Erzeugnisse sind die poröse, 
opake und gefärbte ziemlich m ürbe Masse, sodann die dicke, 
durchsichtige, ziemlich weiche, glänzende und farbige 
Glasur, womit erstere bedeckt ist. Sie bedürfen keines starken 
Feuers, weder zum Brennen noch zum Glasiren, welcher Umstand 
ihre Fabrikation erleichtert und auch in stilistischer Beziehung 
wichtig ist, indem die Mittel der formalen Ausstattung dadurch 
an Umfang gewinnen; aber die Glasur ist dick, wodurch diese 
Mittel wieder beschränkt werden. 
Die Schwierigkeit der Anwendung mehrtarbiger Glasuren führte 
auf die plastische Dekoration dieser Art Töpferei; in der That 
sind die meisten alten glasirten Töpferwer-ke plastisch verziert 
und mit dunkler, meistens grüner Glasur gleichmässig überzogen. 
Doch benütztc man auch mit Geschick und Glück den Wechsel 
verschiedenfarbiger Glasuren (Brongniart II. S; 14). Plastisch deko- 
rirte Ofenkacheln waren schon im 13. Jahrh. üblich. ' (Schloss 
Saleve bei Genf.)  
Hauptsitze dieser ArtTöpferei waren vom 14. bis ins 17. 
Jahrhundert hinein das südliche und mittlere Deutschland, beson- 
ders Bayern und Franken, in welchenLändern sie noch jetzt am 
1 Die beistehenden Ofenkacheixi (14. Jahrh-f wurden kürzlich in dem 
Grunda des alten Salzhauses am Grossmünstei- zu Zürich gefundeq. Ungefähr 
dieser Zeit gehört auch ein schöner Ofen aus glasirten plastisch verzierten 
Küche]! l den ich zu Meran im alten Siammschlosse Tyrol zeichnete und der 
beigefügt werden mag, obschon er als Ganzes mehr in die Abtheilung Maurerei 
gehört.  
Semper,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.