Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674885
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Hauptstück. 
Sechstes 
der Architektur und Plastik und der antiken Vasenmalerei, und 
zwar der Vorschritt der letzteren. 
Und neben dieser gleichsam prinzipiellen und legislatorischen 
Einwirkung hatte die Töpferei bei den Alten auch den stärksten 
technisch-materiellen Antheil an der Baukunst, nämlich an 
der thatsächlichen Ausführung der Bauwerke. 
Nur in letzterer Beziehung ist der Antheil der mittelalter- 
lichen Töpferei an der gleichzeitigen Baukunst des Orients und 
Occidents von fast gleicher Bedeutung, während die Grund sätz e 
der Architektur nicht eben durch sie beeinflusst wurden. Viel- 
mehr herrschte während des ganzen Mittelalters ein einseitiger 
Druck von Seiten der Baukunst auf die übrigen Künste, der das 
Verhältniss zwischen beiden und die alten Grundgesetze des Stils 
gewissermassen auf den Kopf stellte. 1 
S0 haben auch die wichtigsten Erfindungen und bedeutenderen 
Erzeugnisse mittelalterlicher Töpferei zumeist nur unmittelbare 
bauliche Bestimmungen, was sie anderen Abtheilungen dieser 
Schrift anheimfallen macht; wie z. B. die Fussbodeniliesen, die 
Getäfel aus Terrakotta, die glasirten bunten Dachziegel, sogar die 
Mauerziegel, die schönen mittelalterlichen Ofenkacheln u. a. 
Doch fehlte es dem Mittelalter auch nicht an eigentlicher 
Kunsttöpferei, vornehmlich hatte diese Kraft sich im Oriente, bei 
den Arabern und Mauren, sowie in Byzanz, in gewissem Ansehn 
zu erhalten gewusst und sogar neuen Aufschwung gewonnen; ob- 
schon der beherrschende Einfluss der Architektur sich auch auf 
dieses der Töpferei eigenthümliche Gebiet ausdehnte. 
Die mürbe Töpferwaare mit Bleiglasur war schon den Aegyp- 
tern, den Chaldäern und selbst den Römern bekannt, obschon sie 
bei letzteren, wie es scheint, niemals auf den Rang der Kunst- 
töpferei erhoben ward, auch wohl erst in ihrer Verfallzeit Auf- 
nahme fand (vde. Brongniart II. 96). Die Chinesen und Japa- 
nesen kannten die gemeine Bleiglasur gleichfalls sehr früh, aber 
benützten sie, wie Brongniart behauptet, wenig. 
In Asien scheint sie traditionell üblich geblieben zu sein, denn 
sie findet sich auf den glasirten Ziegeln und Kacheln der ältesten 
arabischen Monumente Syriens und Aegyptens (9. Jahrh.) Theo- 
philus kennt sie nicht; aber nach Passeri wurden Terrakotta- 
Rosetten mit Bleiglasur schon im 11. Jahrhunderte in Italien an- 
hierüber 
Siehe 
Betreffende 
'l'ektonik.
        

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