Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674801
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Sechstes 
Hauptstück. 
benannten Epoche, bis zu den Perserkriegen. Die ihr angehörigen 
Vasenformen sind korrekt, von tadellosester technischer Voll- 
endung, aber gebunden. Die Linienkontinuität (z. B. der Hals- 
ansätze an den Rumpf, der Schalenfüsse, der Henkelübergänge) 
ist schon zum Prinzip erhoben. 
Zu der Vermittlung der Gegensätze und zu höchster Völl- 
endung der Kunst führt der weniger konventionell- mehr absolut- 
formalistische dorisch-ionische Attieismus, welchem die lebendigste 
Formenentwicklung auch auf diesem Gebiete gelingt, indem er 
die Keramik von den Satzungen befreit, die dem individuellen 
Auffassen des Kunstvorwurfes hinderlich sind. Zu dem Schönsten, 
was der Mensch jemals hervor-brachte, gehören die Amphoren, 
Prachthydrien und Schalen aus jener Zeit der vollendetsten grie- 
chischen Kunsttöpferei, mit ihren einfach zierlichen, zugleich aber 
schwungvoll freien und kräftigen, Wölbungen und Uebergängen. 
(S. Abbildungen S. 12 oben, 14 rechts, 17 unten, 29 und 49 rechts, 
50, 66 oben, 73 oben u. a. 
Ueber diese Grenze höchster Vollendung griechischer Keramik 
hinaus gerathen wir auf ein Gebiet derselben, worauf eine an- 
dere Technik die Herrschaft gewinnt. 
Dekoratives. 
Es folgt dem Gange der Entwicklung und bezeichnet dessen 
Stationen noch bestimmter als die allgemeine Form, besonders 
für die das Kunstwerk Lesenden, die unter den Kunstfreunden 
die- Mehrzahl sind. 
Im Beginne findet eine Sichtung der traditionellen asiati- 
schen Typen statt, theils werden sie in den gemalten nationalen 
Sagencyklus aufgenommen und erhalten sie durch ihn hellenischen 
Bezug, theils werden sie zuerst in untergeordnete Friese relegirt, 
hernach beseitigt, oder in Hausthiere umgewandelt. 
Für die ersteren ist aber diese Aufnahme in den mythischen Be- 
zug eben keine Erhebung, obschon er sie in die Lage versetzt, auf 
schon angedeutete Weise der Komposition Einheitlichkeit zu geben. 
Oft glaubt man, dieser Bezug sei von den Töpfern in un- 
gläubigstem Sinne, mit spottendexn Humor über die langen 
und langweiligen asiatischen Bestien und über die räthselhaften 
geflügelten Unholde erfunden worden. Sie werden einer nach dem 
andern von griechischen Heroen, von Bellorophon, Perseus, Hera-
        

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