Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674780
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Sechstes 
Hauptstück. 
durch die alte Technik neben der späteren, werden beide gleich- 
zeitig angewandt und zwar häufig untermischt und abwechselnd 
an einem und demselben Gegenstande. 
Die Umrahmung des Bildes wird nun entbehrlich, eine wich- 
tige stilistische Neuerung und ein Vortheil, der zunächst den 
grösseren Kunstconceptionen die Hand bieten muss, aber auch 
den Eintritt laxerer Grundsätze des Stils begünstigt. 
In der ersten Periode der hellenischen Töpferei, wie man noch 
die Figuren schwarz abhob, bediente man sich ausser dem Schwarz 
noch anderer Farben, die mit Hülfe der Pfeifenthonunterlage (en- 
gobe) fixirt oder auch als Deckfarben ohne diese Unterlage auf- 
gesetzt wurden. Meistens, ausser dem Weiss, nur braun, violett, 
gelb und roth. l Sehr selten sind Grün und Blau. 
Diese für die ältesten Vasen charakteristische Oligochromie 
verliert sich in der Mittelzeit, sie wird fast Monochromie. 
Hernach aber kehrt die Töpferkunst wieder zu der Mehrfarbig- 
keit zurück und gegen das Ende des 4. Jahrhunderts vor Chri- 
stus entsteht eine ganz neue entschieden polychrome 'l'öpferei, 
die eine dritte Periode dieser Kunst bezeichnet. 
Allgemein 
Formales. 
 Die höchste Glorie der hellenisehen Keramik ist nicht die 
vielgepriesene Kunst, womit sie ihr Werk ausstattet, die sie aber 
in bester Zeit in angemessener Weise dem Ganzen unterzuordnen 
weiss, ist vielmehr dieses Werk als Ganzes, ist seine Form, sein 
allgemeiner Habitus als Kunsteinheitliches, als Resultat der 
freiesten, bewusstvollsten und vollkommensten Be- 
herrschung aller zwecklichen (oder ethischen), stofflichen und 
technischen Vorbedingungen der Form. Indem sich das Ringen 
mit diesen nicht formalen Elementen in letzterer in keiner lei- 
sesten Weise mehr verräth, ist sie von jenen Elementen voll- 
ständig emaneipirt, als Schönes an sich nur noch sich selbst 
Zweck. Die Emaneipation von den nicht formalen Elementen der 
Form, in dem angedeuteten Sinne, war das stete Streben der 
hellenisehen Kunst im Grossen und im Kleinen. Sie ist auch der 
Inhalt der Geschichte der liellenischen Töpferei; ein Ringen nach 
demselben Ziele auf diesem mehr untergeordneten Gebiete der 
1 Nach John, Malerei d. A. p. 173 sind alle diese Farben , ausser dem 
Weiss, Eisenoxyde.
        

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