Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674737
Keramik. 
Technisch 
rHistorisches. 
137 
feln als während der vollendeten späteren Technik. Das herge- 
brachte Leukoma (der Thongrund) der ältesten Terrakotten wird 
noch vermischt mit dem schwarzen Lustre benützt, ein tech- 
nisches Verfahren das eigentlich niemals ganz aufgegeben wurde 
und, wie wir sehen werden, später wieder zu Ehren kam. 
Die Glasur (der Lustre), ist matt und bräunlich schwarz. 
Ihre Ungleichheiten und Flecken geben Beweis von mangelnder 
Sicherheit in der Praxis des Brennens. Zu der schwarzen Glasur 
kommen noch violette, braunrothe und weisse Tinten, die als En- 
goben oder deckende Farben aufgesetzt und durch einen Brand 
(unvollkommen) auf den Grund üxirt sind. 
Die Umrisse der Ornate und Figuren sind vorgeritzt, auch die 
inneren Linien der Figuren durch Einritzen des schwarzen Grun- 
des und Blosslegung des 'I'h0ngrundes erreicht, und zwar mit 
grosser Sauberkeit und Sicherheit der Nadel. 1 
Allgemeiner 
F 0 r m. 
und 
Habitus 
 Ausser grossen Pithoi, die sich auf Thera fanden, sind diese 
Gefässe gewöhnlich von niässigem Umfange, theils von breiter 
schwülstig gedrückter Form, theils kapriziös gestaltet, mit kühnen 
Unterbrechungen der Kurvenkontinuität, scharfkantig abschliessen- 
den trochoiden Bäuchen und kecken Anschlüssen der Extremi- 
täten. Die struktive Bedeutung des Ornaments tritt noch nicht 
bewusstvoll hervor.  Gewöhnlichste Formen sind tiefe Schalen, 
Gussgefässe, Büchsen, Salbflaschen. Die feineren Charakterunter- 
Schiede der Zwischengattungen verschwimmen noch in dem Typi- 
Schen weniger, scharf markirter, Grundformen.  
Dekorat 
V98. 
Sie sind theils ganz mit schwarzem Glanze (Lustre) überzogen 
(die ältesteni?), theils thongründig mit Linienzierden, im Geiste 
Ziemlich nndurchdringliuh. Ihre Formen, obschon auf der Scheibe her- 
vorgebravht, sind äusserst willkürlich, fast muthwillig zu nennen, entbehren 
jedoch trotz ihrer Originalität keineswegs einer gewissen Grazie Brongniart 
I. p. 460. S. Holzschnitt S. 63 rechts. ' 
' Diese neue Technik scheint sich von Asien her über Kleinasien. die 
Kykladen, die argivische Ebene, xiach Athen und Korinth verpflanzt zu haben._ 
Vvenigstens findet manam Berge Sipylos, dem Sitz der Tantaliden, zu 
'I'hera, Melos, Kypros, Aegina. Mykenä, Athen und Korinth die alterthüm- 
liebsten. In Apulien und Sicilien sind sie selten, dagegen in Nola und he- 
sonders in Etrnrien sehr häufig.   
Semper, Stil II. 13 
        

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