Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674703
134 
Sechstes 
Hauptstück. 
wie bereits vor den Römern dieses Instrument von Asien oder 
Aegypten her in Hellas und Italien Eingang gefunden hatte und 
thatsächlich herrschte, und selbst noch zur späten Kaiserzeit. 
117. 
Umwälzung 
der 
'l'öpferei 
Einführung 
durch die 
der 
Töpferscheibe. 
Doch wenden wir nun unsern Blick zurück nach jenen 
ältesten östlichen Kultursitzen, wo die Töpferei seit undenk- 
liehcn Zeiten durch das genannte Werkzeug in eine ganz andere 
Bahn geleitet werden war. 1 Die uralte Erfindung der 'l'öpfer- 
scheibc hatte dort die negative Wirkung des Verarmens und der 
lilntwerthung der Töpferwerke herbeigeführt, ohne eine neue 
Kuustidee hervorzurufen. Die Töpferei war in Aegypten , sowie 
wohl auch in Asien, verachtet und nur von Knechten geübt, sie 
diente nur dem Bedürfniss, oder sie schaffte billige Ersatzmittel 
für kostbare Prachtgcrätlie aus Metall und edlen Steinen.  Sie 
gewann hier eine (lurchaus industrielle Tendenz und auf dieser 
leistete sie mehr, als sie je bei den Griechen erreichte oder auch 
nur erstrebte. 
Doch diesen War es vorbehalten, die herabgcsunkene Kunst 
durch dasselbe Werkzeug neu wiederzubelcben, das von den 
barbarischen Sklavenhändcn (wohl geschickt aber ohne ächte 
Kunst) gehandhabt, ihren Verfall herbeiführte. Im Gegensatz zu 
den Barbaren war den Griechen die Töpferei eine freie Kunst; 
man hielt sie so hoch in Ehren, dass man ausgezeichneten Tö- 
pfern Medaillen schlug, ihnen Denkmäler errichtete. 3 
1 Unter den ägyptischen und asiatischen Gefassen und Geräthen linden 
sich zwar manche, die dem plastischen Stile angehören, aber diese sind gleich- 
sam nur Reminiscenzen aus der Urzeit, welche Religion heilig achtete und bei- 
behielt. Beispiele die Kanopen in Isisfonn, oder wenigstens mit dem Isiskepf 
als Deckel. 
2 Siehe weiter unten: ägyptisches Steingut. 
3 Allberiihmt waren die Namen Dibutades von Sikyon, als angeblichen 
Erfinders der Plastik in Thon, Koriibos von Athen, des mythischen Erfinders 
der Töpferei (d. h. einer Art derselben), 'l'al0s, des Dädalos Neffen, dem man 
die Erfindung der Töpferscheibe zusehrieh, 'I'herikles von Korinth, Chere- 
strates, wegen seines Schnellsehaßens. Phidias, Polyklet, Myron, Mentor und 
andere berühmte Künstler versehmähten es nicht, den Töpfern Modelle zu 
machen, oder selbst ihre Kunst an Gefässen unmittelbar zu bethätigen.
        

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