Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673402
Fünftes 
Hauptstück. 
die situla, der alten Aegypter; das zweite ist die hellenische 
Hydria.  Beide haben denselben zwecklichen Ursprung, sie sind 
beide bestimmt WVasser aufzufangen; aber das erste ist Schöpf- 
    
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Situla. 
Hydriu. 
gefäss, um das Wasser aus dem Nile heraufzuziehen, und daher 
charakteristisch für Aegypten, die Gabe des Nils, das keine dem 
Felsen entrieselnde Wasserquellen hat. Zwei solcher Eimer wur- 
den von den ägyptischen Wasserträgern an einem Joche getragen, 
so dass einer vorn, der andere hinten hing;  der schwerste 
Theil ist zu unterst, oben verengt sich das Gefass, um das Aus- 
schütten zu verhüten. Es ist geformt wie ein Wassertropfen, 
auch erinnert es im Ganzen und in der Ornamentation an den 
ursprünglichen Ledersehlauch, der in der ältesten Kulturperiode 
Aegyptens das übliche Sehöpfgefass War, und diess unter den 
Türken heutzutage wieder geworden ist. Man bemerke jene 
Hieroglyphenstreifen unterhalb des Wulstes, der den Rand des 
Gefässes bildet,  diese sind motivirt durch die Erinnerung an 
die Falten des Ledersehlauchs, der Pera nach lateinischem Aus- 
drucke, der auch für dergleichen metallene oder irdcne Schläuche 
galt, die durch die Einziehung der Mündung entstehen mussten. 
Wir fühlen lebhaft die volle Zweckangemessenheit dieser 
Form, welche der entschiedene Gegensatz jener griechischen 
Hydria ist, deren Bestimmung darin besteht das Wasser nicht 
zu schöpfen, sondern es, wie es vom Brunnen iliesst, aufzufangen.
        

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