Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674644
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Sechstes 
Hauptstück. 
aus Massen fabricirt, die dem Mittelalter der Erdrindc eigen sind! 
Wenn wir daher unsere spezielleren stofflich stilistischen Betrach- 
tungen zunächst an die jüngsten Thonbildungcn knüpfen und 
progressive zu den ältesten übergehen, so bietet die chronologische 
Geschichte der Keramik dazu eine parallel fortlaufende Reihe von 
erläuternden Beispielen. 
Insofern diese Geschichte zugleich die der Erfindungen ist, 
welche für die Bearbeitung der Stoffe zu keramischen Zwecken 
gemacht wurden, kann auch die Frage über die Abhängigkeit des 
keramischen Stils von den Proceduren und Geräthen der Töpfer- 
kunst denselben stilhistorischen Betrachtungen einverleibt werden, ' 
1 Die Proceduren in der Keramik sind zusammengefasst folgende: 
1) Die Mischung der plastischen Masse; 2) die Formengebung; 3) das 
Ueberziehen mit einer glasigen oder erdigen Kruste, in Verbindung mit der 
Dekoration durch Malerei und Farben; 4) das Festen der Form, das Brennen. 
1) Die Mischung hat den doppelten Zweck, die Homogenität der Masse 
zu bewerkstelligen und ihr physische und chemische Eigenschaften 
beizugeben, die sie ursprünglich gar nicht oder in nicht zureichendem 
Grade besitzt. 
2) Die Formgebung. 
a) Das Modellircn aus freier Hand; 
b) das Abformen (1noulage),-dieses kann geschehen durch Eindrücken 
der erweichten oder pulverisirten (trockenen) Masse in die Form oder 
durch Gicssen der flüssigen Masse in dieselbe (le coulage) ; 
e) das Stempeln und Kartnschiren (moletage et estalnpage); 
d) die Formgebung mit Hiilfe der Drehmaschinen; nämlich 
o!) das Anlegen (l-lbauchiren) mit Hülfe der Tretscheibe, 
ß) das Vollenden mit der horizontalen Drechslerscheibe, ' 
y) das IKaIibriren mit Hiilfe der Chablone. 
e) Verbindung der Theile. Löthung. 
(Das Ganze besteht aus nicht mehr Theilen als es Glieder hat;  
wo technische Gründe verwalten ein grösseres Werk aus 'l'heileu 
zusammenzusetzen, dort muss dessen Gliederung der Anzahl seiner 
Theile und ihrer Verbindung entsprechen. WVO dieses durchaus 
nicht möglich wird, sei die Fügung so vollkommen, dass sie für die 
Sinne nicht existirt. (Beisp. das isodome Gemäuer der Griechen.) 
3) Das Ueberziehen der keramischen Produkte mit einer glasigeu oder 
erdigen Kruste;  hat erstens den Zweck, die poröse Thonmasse fiir 
Wasser und fiir Fett undurchdringlich zu machen; zweitens einen 
dekorativen; es bleibt dahingestellt, welcher von beiden der ursprüng- 
lichere sei. 
a) Einfache Anstriche, erdige Substanzen, Ocker, Bolus, Rvishlei. ohne 
Kausis. 
b) ilarzigc Anstriche (vegetabilisrhe oder bitumiruiisc) mitg0ringc1'K:1usis.
        

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