Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674627
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Sechstes 
Hauptstück. 
diesen Verhältnissen wählen durfte, erkauft wurde. Zu diesen ästhe- 
tisch-formalen Vortheilen tritt noch der praktische, dass die porö- 
sen, bei niedrigem Hitzegrad gebrannten, Gegenstände dem raschen 
Temperaturwechsel mehr Widerstand leisten und nicht so leicht 
springen. Ein hoher Hitzegrad erheischt zunächst eine Mischung, 
die im Stande ist ihn zu ertragen; die Eigenschaften, die sie dazu 
befähigen, sind der Formgebung nicht durchaus günstig, so dass 
schon hierdurch eine Beschränkung in derselben nothwendig 
wird. Sodann schwinden und deformiren sich die aus solchen 
Pasten gebildeten Gegenstände im starken Feuer mehr, als diess 
bei den leiehtgebrannten Töpferwaaren der Fall ist; eine Menge 
von Vorsichtsmassregeln ist erforderlich, um die zahllosen Schwierig- 
keiten zu beseitigen, die sich dem vollen Gelingen dieser Art von 
plastischen Werken entgegenstellen. Zuletzt sind diese, wenn sie 
gelangen, zerbrechlich, nicht temperaturbeständig, und zwar nach 
Massgabe und Verhältniss der grösseren oder geringeren Zweck- 
angemessenheit der Formen, die man ihnen gab.  Es folgt hier- 
aus, dass eine diesen Schwierigkeiten bestens sich fügende Form 
zu wählen sei, dass diese Form eine andere sein müsse als die- 
jenige, welche gestattet ist, wo man es mit einem bequemeren 
Stoffe zu thun hat. 
Es sind daher schon Nachahmungen antiker Vasen in Fayenee 
oder in Porzellan bedenklich, obschon diese noch mindest gefähr- 
liches Nachbilden in allen Stoffen gestatten, weil (wie schon ge- 
zeigt wurde) der hellenische Stil weniger als irgend ein andrer 
vom Stoffe abhängig ist. 
Aber leichte emaillirte Metallkannen, silberne Becher, Kande- 
laber aus Bronzeguss, nachgebildet in irgend einem harten Stein- 
gute oder Porzellan, kurz die Mehrzahl der neuesten Produkte 
höherer Keramik, wo diese nicht wieder auf die barocken Formen 
der letzten Jahrhunderte verfällt, sind entschiedenste Versündi- 
gungen der modernen Töpferkunst gegen den keramischen Stil, 
wenn schon mitunter Zeugnisse dessen, was man mit Hülfe einer 
vollendeten Technik auch gegen die Natur: den Gesetzen (168 
Stils zum Trotze zu leisten vermag. 
Auch die Alten transponirten nicht selten ihre Weisen, trugen 
sie über von einer Technik auf die andere, aber mit wahre;- 
künstlerischer Einsicht und richtigem Verständniss dessen, worauf 
es ankam. So z. B. sind die ältesten griechischen Kunstvasen
        

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