Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674612
Keramik. 
Technisch- l IistoriSehes. 
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tige dritte allgemeine Eigenschaft derselben zu berücksichtigen, 
deren Erhärtungsfähigkeit. Sie wird zunächst erforderlich, 
damit das Gebilde Festigkeit und Dauerhaftigkeit gewinne; 
sodann, um es für Flüssigkeiten undurchdringlich zu machen, wo- 
von für viele Zwecke dessen Nutzbarkeit abhängig ist; endlich 
aus anderen Gründen, die zum Theil ästhetischer Natur sind, z. B. 
um dem Gefasse oder dem Gebilde die Eigenschaften und Apparcnz 
des Marmors oder noch edlerer Steinarten, des Bergkrystalls, des 
()nyx, des Opals u. dergl. zu geben (Porzellan, Glas). 
Der erste Zweck (Festigkeit und Dauer), ist der wichtigste 
und wesentlichste, daher derjenige, der am frühesten erstrebt, 
wurde. Man erreicht ihn schon, bis zu einem gewissen Grade, 
durch das einfache Trocknen der Waare an der Sonne, wobei ge- 
wisse Eigenschaften der plastischen Stoffe nicht erforderlich sind, 
die nothwendig werden, wenn der Gegenstand durch Feuer er- 
härtet werden soll, und die wiederum andere Eigenschaften und 
Vorzüge der im Feuer nicht beständigen Stoffe ausschliessen. 
Die südlichen Völker, des Alterthums wie der Gegenwart, (Aegyp- 
ter, Indier, Südseeinsulaner) hielten an dem Gebrauche der sonnen- 
getrockneten Gefässe lange fest, oder ertheilten ihren aus leicht- 
flüssigem Mergelthon gebildeten 'l'öpfen durch ein sehr schwaches 
Feuer nur einen unvollkommenen Grad von Festigkeit. 
Das Brennen unter höherem Hitzegrade wird erst nothwendig, 
um das Gefäss für Wasser und Fett undurchdringlich zu machen. 
Doch gelingt dieser Zweck auch mit Hilfe von Firnissen und 
Glasuren, welches Mittel wahrscheinlich älter ist als das Bren- 
nen, das vielleicht zunächst nur den Zweck hatte, 
diesen Firniss zu befestigen. Die Erfindung der Blei- 
glasur gestattet unseren Töpfern ihren Werken vollständige Un- 
durchdringlichkeit zu ertheilen, ohne Anwendung eines hohen 
Hitzegrades, und mit Beibehaltung der mürben und leichtflüssigen 
Mergelpasten. 
 Die Griechen kannten oder benutzten dieses Mittel nicht, zu- 
gleich waren ihre plastischen Pasten zu leichtflüssig, um durch hohe 
Temperatur in den Zustand der Impermeabilität versetzt werden 
zu können, daher sind fast alle antiken Töpfe für Wasser, Fett 
und sonstige Flüssigkeiten nicht durchaus undurchdringlich, ein 
materieller Naehtheil, durch den ein Theil ihrer formalen Vor- 
lüge, als abhängig von der Gunst des Materiales, das man unter
        

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