Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674594
Keramik. 
Teuhnisch-Hisiu 
vrischcs. 
123 
tere nur in einer gewissen materiell technischen Vollendung in 
der Ausführung des Werkes erkennen) gehasst. Doch soll man 
auch wissen, wo er nicht am Platze ist.  Um mit einem Bei- 
spiele das Gesagte zu bekräftigen, sei auf die Nachahmungen der 
arabischen glasirten Fliesen hingewiesen, die aus der berühmten 
Mintomschen Fabrik hervorgingen und womit der englische Archi- 
tekt Owen Jones seinen Alhambrahof im Sydenhampalastc beklei- 
dete. Dieser Architekt bedauert in der Beschreibung seines 
Werkes mit Recht die zu grosse mechanische Vollkommenheit der 
Ausführung dieser Fliesen, und die zu gleichförmige und zu fein- 
körnigeFayencepaste, woraus sie bestehen. Sie begünstigt näm- 
lich das Abblättern der Schmelzdecke, ohne dass, für den Künstler 
und den wahren Kunstkenner, etwas anderes dafür erreicht wäre 
als mechanisch leblose Regelmässigkcit, an Stelle des Zaubers, der 
bei einem wahr und frisch entstandenen Originalwerke gerade aus 
den über dasselbe vertheilten Rauhhciten, technischen accidents 
und Auskünften hervorgeht. 
Denselben Vorwurf (der Wahl einer zu homogenen und zu 
feinen Masse) trifft auch die modernen Nachahmer der alten Majolika, 
abgesehen von der Stillosigkeit ihrer viel zu reichhaltigen Schmelz- 
farbenpalette, da gerade die gröbere, viel geringeren Ilitzegrades 
beim Garbrennen bedürftige, Paste der alten F ayence denjenigen 
Stil entstehen half, und individualisirte, den wir an ihr bewundern. 
Die Verallgemeinerung dieser keramo-stilistischen Betrachtun- 
gen für alle Gebiete der Kunst bietet sich von selber dar; sie 
bleibe dem günstigen Leser überlassen. 1 Auch bedarf es kaum 
ausdrücklicher Erwähnung, dass die sichtbare Heterogenität der 
Theile einer plastischen Masse weder aus technischen noch aus 
ästhetischen Gründen überall und unbedingt nothwendig ist, 
denn man kann die oben hervorgehobenen Eigenschaften (ler 
heterogenen Pasten auch, zum grösseren Theile wenigstens, durch 
andere Mittel erreichen (harter Porzellan, hitzebeständig, weicher 
Porzellan, schockfest, beide sehr homogen). Eben so crheischen 
gewisse Produkte der Keramik auch aus ästhetischen Gründen 
einen feinen möglichst homogenen Stoff. 
' Wie sehr z. B. die Wahl des Malergrunds den Stil der Illalerei beein- 
ÜIISSG, erkßllrlt man bei der Vergleichung der verschiedenen Meister, deren 
jeder einen besonderen ihm und- seinem Genie entsprechenden Stoff (Lein- 
wand) nach K011i 11m1 Textur zu eigen hat. Aber die besten Meister hassten 
den zu glatten Grund.
        

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