Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674496
Keramik. 
Gefässtheile. 
113 
handeln ist, bedeutend mitbethätigt, gleichwie dicss bei allen Kunst- 
gebilden der Fall ist. Dieser Theil zeigt sich noch entschiedener 
als die anderen dienenden Gefasstheile als ein Angefügtes, 
das durchaus nicht mit dem Bauche aus gleichem Stoffe zu be- 
stehen braucht, auch ursprünglich nicht bestand. Die primi- 
tiven T öpferwaaren der Kelten, Germanen, Slaven, Indianer u. s. w. 
haben entweder gar keine oder nur sehr unentwiekelte Hand- 
haben. Und hier findet sich wieder Veranlassung auf die bereits 
ausgesprochene Vermuthung zurückzukommen , dass diejenige 
Töpferei, die bei den gräkoitalischen Völkern so reiche Ausbil- 
dung gewann, in ihren Anfangen schon durch den Stoffwechsel 
metamorphosirte Metallotechnik war. Am deutlichsten glaubt 
man dieses bei der Gestaltung und Befestigung der Henkel wahr- 
zunehmen. (Allerdings wird ihr Urbild in letzter Instanz zum 
Theil wieder in der textilen Kunst, in den Stricken und Bändern, 
zu suchen sein.) So erklären sich am natürlichsten die meisten 
traditionell bis auf unsere Zeit für die in Rede stehenden Gefäss- 
theile gültigen Typen, sowohl betrefflich ihrer allgemeinern 
Form, wie ihrer ornamentalen Ausstattung, wie endlich 
vor allem betretflich ihrer Befestigung und der dekorativen 
Bezeichnung und Verwerthung dieser letzteren. 
Formell sind z. B. die meisten vertikalen Ohrhenkel der Thon- 
gefässe keinesweges Produkte der Töpferei, sondern elastisch 
spiralisch geschwungene Mctallbügel. Eben so sind die 
horizontalen mehr oder weniger aufwartsgeschiveiften Handhaben 
bügelförmig, den Handhaben der ehcrnen Schilde vergleichbar, 
auch ganz ähnlich, wenigstens andeutungsweise , mit Nieten. 
Spangen, Reifen, Knöpfen (Rädchen), Hülsen, Lappen, Ringen 
und andren Attachen, die der Mctallotechnik angehören, befestigt. 
Selbst das oft vorkonnnende, den Gedanken mitunter nur vage 
ausdrückende, Antheniiexigedecht, Welches die Wurzeln der Hand- 
haben umgibt, entspricht Aehnlichem, weit (lcutlicher auf den 
technischen Ursprung Hinwcisendem, in Erz. Aber nochmals 
bewundern wir den hellenischen Geist,  mit welchem Takte er 
den stofflichen Bedingungen des Töpferthones gerecht zu sein ver- 
stand, indem er die herkömmlichen Typen in den wahren Töpfer- 
stil übersetzte. Daher vereinfacht sich, mit fortschreitender kera- 
mischer Kunst, irnmermehr das an den ältesten Gefassen pla- 
stisch iiberladene Henkelwerk. Die Attache fällt ganz weg, 
semper, Stil U. 15
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.