Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674470
Keramik. 
Gefässfheile. 
111 
darf dieser Tragetheil des Henkels unter Umständen auch sein 
unterstes Ende bilden, WO er sich mit dem Rauche vereinigt. 
Sein anderer Theil, der beim Ausgiessen in Anwendung kommt, 
soll seiner Form und Lage nach diesen Akt bei vollem und fast 
leerem Gefasse beinahe gleich bequem machen. 
Um beides möglichst zu vermitteln, sei der bequemste Moment 
des Ausgiessens derjenige bei halbvollem Gefässe. In demselben 
sei die Lage der Hand so, dass die Axe der durch die Ivinger- 
stellung gebildeten Röhre, die den Henkel umschliesst, ungefähr 
einen YVinkel von 45" mit dem Horizonte, -0der der Fläche des 
auszug-iessenden Fluidums, bilde. 
Nachdem der Topf in seiner Hauptform lixirt werden, suche 
man die Höhe der Flüssigkeit, die er bei halber Füllung enthält, 
empirisch zu bestimmen; dann stelle man auf den Mittelpunkt 
der horizontalen Durehschnittsebene, die dieser Höhe entspricht, 
den Scheitel eines rechten Winkels und lasse einen der Schenkel 
desselben den Rand des Getässes berühren, oder auch beliebig 
diesen durchschneiden, wenn nämlich das Gefäss eine Dille oder 
einen Ausguss erhalten soll. Die Neigung dieses Schenkels gibt 
dann die Richtung dieser letztgenannten Theile und des avustliessen- 
den Strahls. Hierauf halbire man den rechten Winkel und gebe 
dem Theile des Henkels, der beim Ausgiessen in Thätigkeit kom- 
men soll, eine (lieser Theiltingslinie parallele Richtung, 1 wobei 
der innere Sinn über die beste Anwendung des Prinzips für jeden 
vorkommenden Einzelnfall zu entscheiden hat. 
Die Beispiele auf S. 112, nur nach vorhandenen Mustern 
entnommen, werden das Gesagte erläutern. 2 Die archaischen 
und die späten lukanischen Vasen sind hierbei nicht zu berück- 
sichtigen, am wenigsten die letzteren, bei denen der meistens 
koinposite Henkel keinen Zweck mehr hat, sondern nur noch 
Zierrath ist. Dagegen entsprechen die meisten orientalischen 
beider Theile des Henkels angebrachte Stütze für den Dau in e n, in Form 
eines Blattes. eines Fingers u. dergl. hervorgehoben (Siehe S. 57 u. S. 107 a). 
l Es ist kaum nüthig zu bemerken, dass zwar die Neigung aber nicht 
die Lage des Henkels durch diese Linie bestimmt ist. Es ist klar, dass, 
wenn die horizontale Oberfläche der Flüssigkeit und die Richtung des Ans- 
gusses beim Auägiessen zusammenfallen, dann nach der gegebenen Regel die 
Neigung des Henkels gegen den Horizont einen Winkel von 450 bildet. 
9 Vergl. auch die Figg. auf S. 11, T2, 42, 44, 4T n. a. m.
        

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