Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673384
Hauptstück. 
Fünftes 
in seinen vielfachen Behandlungsarten fortwährend als die plas- 
tische Materie par excellence seine volle Geltung behauptete. Nur 
wegen dieser allgemeinen Wichtigkeit des Thones für alle Zweige 
der in Rede stehenden Technik, deren materielle Basis er gleich- 
sam bildet, und weil der Thon als erster plastischer Stoff späteren 
Stoffen gewissermassen den Stil vorbahnte wonach sie sich zu 
gestalten hatten, lässt es sich vielleicht rechtfertigen wenn wir 
hier dem Worte eine allgemeinere Bedeutung beimessen als es 
selbst bei den Griechen hatte, indem wir unter demselben zu- 
nächst die gesammte Gefässkunst mit Einschluss der Gefasse aus 
anderen Stoffen, z. B. derjenigen aus Metall, Holz, Elfenbein, 
Glas, Stein etc. begreifen, die sämmtlich in diesem Haupt- 
stück in ihren stilistischen Verwandtschaften mit der eigentlichen 
Töpferwaare als zusammengehörig und von einander abhängig 
zu betrachten sind;  indem wir zweitens auch Gegenstände 
die nur in dem Stoffe und dessen Behandlung, aber nicht in 
dem Zwecke des Bildens, mit der eigentlichen Gefässkunst sti- 
listisch verwandt sind, wie die Dachziegel, die Terrakottagetäfel 
und in gewissem Sinne auch die Gegenstände der eigentlichen 
Plastik als bildender Kunst, in den Begriff des Wortes Keramik 
einschliessen möchten.  
Die Erzeugnisse der keramischen Kunst standen zu allen Zei- 
ten und bei allen Völkern in ausserordentlicher Achtung, sie ge- 
wannen religiös symbolische Bedeutung lange vor den Zeiten 
monumentaler Baukunst, welche letztere von jener bedeutend be- 
einflusst worden ist, und zwar erstens in direkter Weise, dadurch 
dass Werke der Keramik für die Konstruktion und ornamentale 
Ausstattung der Monumente dienten, und zweitens auf indirekten] 
Wege, durch die Aufnahme von Grundsätzen der Schönheit und 
des Stiles, ja selbst von fertigen Formen, in die Baukunst, die 
vorher an den keramischen Werken sich ausbildeten, und von 
den Kunsttöpfern der vorarchitektonischen Zeiten zuerst festge- 
stellt worden sind. 
Die früheste und allgemeinste Anwendung dieser Kunst gilt 
ohne Zweifel überall dem Bedürfniss, vornehmlich dem der Nah- 
rung, des Trinkens und des Waschens; aber sie erwarb sich 
durch den Gebrauch der Urnen für den Todtenkulti schon in 
sehr früher Zeit eine höhere Bedeutung. Nicht nur wurden die 
Ueberreste der Verstorbenen in irdenen Aschenkrügen beigesetzt,
        

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