Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674457
Keramik. 
Gefässtheile. 
109 
moditiciren. auch auf die Form, die der Vase zu geben ist, rück- 
wirken. 
Ferner ist zu unterscheiden, ob gleiche Handhaben ein- 
fach, oder gedoppelt, oder in mehrfacher Zahl vorkommen, oder 
0b dasselbe Gefäss mit Henkeln ungleicher Art versehen ist. 
So gibt es Schalen mit nur einer, horizontalen, Handhabe; das 
Gussgefäss hat gleichfalls nur einen, jedoch vertikalen, Henkel; 
beide, und alles ihnen hierin Verwandte, erhalten durch diese 
Beigabe (oft verbunden mit der Gussmündung) eine bestimmte 
Ri chtun g, die bei dem Prinzip ihrer sonstigen Ausstattung mass- 
gebend wird. Gefässe wie die Schale mit doppelten horizon- 
talen  und die Amphora mit gleichfalls doppelten vertikalen 
Handhaben, sind symmetrisch, und in diesem Sinne zu behan- 
deln. Dann gibt es vi erhen klichte Amphoren; fernerHydrien mit 
zwei horizontalen und einer vertikalen Handhabe, bei denen 
also die Symmetrie und die Richtung gleichmassig vertreten sind; 
 wesshalb die Hydrien sich zu reichster Formenentwicklung eignen. 
Berücksichtigen wir auch einzig nur die Vasenkunst der Grie- 
chen in ihrer höchsten Bliithczeit, sehen wir ganz ab von den, oft 
nicht minder geistreichen, obschon weniger durch Geschmack ge- 
adelten, Werken anderer Kunstperioden, so staunen wir über den 
Reichthum der Erfindung und den Wechsel des Ausdrucks, die 
der hellenishe Meister aus den einfachsten, durch Oertlichkeit, 
Zahl, Form und Fügung der Henkel bedungenen, Kombinationen 
hervorrief. Man verzweifelt daran, in dieser Manniehfaltigläeit, 
wie in der Fülle der Naturschöpthng, den Faden des Gesetzes 
zu linden, und dennoch erkennt man es darin, dass das Werk, 
wenn es seinen Meister lobt, s0 erscheint, als könnte es nicht 
anders sein; obschon dieselbe Aufgabe, eben so meisterlich, an 
einem anderen Werke durchaus verschieden gelöst erscheint. Man 
erkennt es in dem Typischen, was, innerhalb dieser Mannich- 
faltigkeit, gewissen an sich ganz verschiedenen Gestaltungen gee 
meinsam aufgedrückt ist. 
Das Zw eckliche ist auch hier das erste bedingende Moment 
der Gestaltung. Die Handhabe muss bequem sein, sie muss zum 
Fassen einladen, gleichsam verlocken. Die Hand des Menschen, so- 
dann die Grösse des Gefässes, sind mas sge b ende,  Handlichkeit, 
angemessene Solidität, richtige Lage und Befestigung des Henkels 
formale Bedingungen; daher Vermeiden des zu Starken und des
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.