Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674414
Keramik. 
Gefässtheile. 
105 
Gilssgefässexi, theils mit Ausgussmündung, theils mit Dille, 
die noch kurz zu besprechen sind. 
Durch diese Ausgüsse wird der einfach aufrecht gestalteten, 
nur proportionalen, Vase erst gleichsam eigenes Willensleben 
und Richtung zu Theil. An ihren freien Sehweifungen, ihrer 
Zweekliehkeit, ihrem wohlabgeivogenen Verhältniss zu den übri- 
gen Theilen, besonders zu dem Handgriffe, bewährt sich das 
wahre Genie des Töpfers, den hier der Rückenhalt seiner Scheibe 
verlässt. 
Wegen des an diesen Theilen sieh kundgebcnden höheren Le- 
bens sind bei der Ausstattung derselben animalische Vorbilder, 
wohl angebracht, von grosser Wirksamkeit, wobei die Begriffe des 
Nlündens, Ausgebens und Vorstreekens auf passende hVahl sol- 
cher dekorativer Motive leiten müssen. ,Doch zeigt sich die An- 
wendung derartiger Symbole in zwecklich-utilitarischeln Sinne mehr 
in der barbarischen Gefasskunst, wie z. B. gewisse niederländische 
Kannen sich als dickleibige Personen darstellen, mit deren Kopf 
der Ausguss in Verbindung steht, oder wie an indischen und 
chinesischen Dillengefässen die Dille oft in Form eines Straussen- 
halses oder eines Drachen erscheint,  wogegen die Griechen 
wohl auch Masken und andere animalische Symbole anwandten, 
jedoch mehr nur in struktiver, nicht in zwecklieher Be- 
g'riffsverbindung; ' auf welche Symbole noch bei 
 Gelegenheit des Henkels zurückzukommen ist. 
f  Dabei tritt allerdings auch die Absicht, durch 
 {igiirliehe Ornamentation die Richtung des 
  Gefässes, sein Vorn und Hinten, zu markiren, 
 K371i an den besten Mustern Gr. Vasenkunst in den 
  Vordergrund, wie z. B. an der beistehenden 
 schönen Oenochoö (YYerk des Töpfers Niko- 
Wrlgyihe,   sthenes. Mon. lned. 1804. 47). Am meisten aber, 
   wie bemerkt, beruht die Schönheit und der 
AusgnvssqOenoclurä des Schmuck der Gussmündungen in ihrem kühnen 
xikosthenesf und edlen Sehwunge, in der Art ihres Ansatzes 
an das Gefass, in dem Ausdrucke dessen was sie bezwecken. 
(Siehe die zahlreichen früher gegebenen Beispiele und die noch 
folgenden.) 
1 Mitunter finden 
den Dachrinnen  
Semper, Stil Il. 
Art der wasserspeienden 
 symbolisirte Dillen. 
14 
sich allerdings in 
 also zwecklich  
LÜWellkÜllfc
        

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