Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674367
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Fünftes 
Hauptstück. 
wie z. B. an der persischen Flasche S. 67, aber mehr nur im uti- 
litarischen Sinne, als Handgriff, angewandt erscheint. Die Grie- 
chen urgirten diesen Unterschied, und Wussten ihn mit gewohn- 
teui Scharfsinne formell zu Verwerthen, indem sie den Hals als 
doppelten Trichter, als aufwärts und niederwärts thätig, charak- 
terisirten;  zunächst durch die Form, indem sie den Hals oben 
und unten erweiterten, in der Mitte verengten, sodann durch den 
Ornatu s, indem sie um den Hals einen alternirend aufwärts und 
niedcrwärts deutenden Ringschmuek, in einfacher oder reicher Ent- 
faltung des Motives, herumführten. Vgl. S. 17 und 18 des 1. Bandes. 
Zugleich glaubt man deutlich wahrzunehmen, wie die Griechen 
auch hier jede feinere Nüancirung dieses Grundgedankens durch 
die Form auszudrücken bewusstvoll bestrebt waren. 
S0 z. B. sind die kurzen Hälse oben sehr weiter Gefasse nur 
als ausgebend dadurch charakterisirt, dass die Verengerung 
nicht in der Mitte des Halses, sondern dort ist, WO dieser den 
Kessel berührt, dass die Mündungsränder des Halses sich rasch 
erweitern, dass endlich der Halsschmuek nur aus aufwärts ge- 
richteten Elementen besteht. 
Bei Salbgefassen, die sparsam ausgeben sollen, zieht sich ein 
langer Hals nach oben am engsten zusammen und setzt er sich in 
sanfter Erweiterung auf den Kessel auf. An derartigen Gefasscn 
ist sehr häufig der Ringschmuck nur nach unten gerichtet, oder 
besteht er aus einem IIalsbande (Menile), das sich kranzartig 
horizontal herumzieht, ohne die Begriffe Oben und Unten, Aus 
und Ein, zu berühren. Siehe S. 66 und S. 103, unten. 
Noch ist bei jeder Charakteristik auch dieses Gefasstheiles 
dasjenige zu berücksichtigen, was schon bei dem Kessel oder 
Bauche hervorgehoben ward, nämlich die proportionale Entwick- 
lung eines Aufrechten, in Welcher der Hals mit seiner Mün- 
dung ausserdem noch das Endigende, nach oben Abschliessende 
ist; welcher Begriff nach allgemeiner Kunsttradition durch aufge- 
richtete, in einen leichten Ueberfall sich vorbiegencle, Blätterkronen 
am besten und verständlichsten ausgedrückt wird. 
Der Hals ist also je nach der Auffassung desselben einfach 
oder zweigetheilt; in letzterem Falle gliedert er sich an der Stelle 
seiner Verengerung, WO also eine Verknüpfung (Astragal, 
Tänie u. dergl.) an ihrer Stelle ist. Siehe die Kalpis S. 49, und 
die später folgende auf S. 103. Der weibliche Halssehmuck scheint
        

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