Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674301
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Fünftes 
Hauptstück. 
aus vierund mehreren hölzernen Stäben zusammengebaut, mit 
ihren Kesseln, wurden in ägyptischen Gräbern häufig gefunden. 
Dergleichen sind noch jetzt dort üblich, zur Aufnahme der Nil- 
wasserbehälter. Der edleDreifuss, das sicherste Gestell, das auch 
auf ungleichem Boden feststeht, den Aegyptern, wie es scheint, 
missliebig, war die Form in welcher dieses Motiv, nach asiatischer 
Ueberlieferung, durch- helleiiische Kunst höchste Weihe erhielt. 
Das YVesentliehe des Dreifusses ist gleichfalls vricder der Ring 
(stephane), zur Aufnahme des Kes sels (pelvis), der von dem Stab- 
geriist getragen wird. Das letztere gehört mehr der Ziminerei an 
und. ist für die Entwicklung der Kunstforinen, die dieser Technik 
eiiitsprossen, von grossem Interesse, wesshailb auf die feine 
Charakteristik und artistische Durchbildung, die es gewann, erst 
in den  über lZimmei-ei näher einzugehen ist. 
 Der Ring ist also auch hier, wie eben, der Aufnehmer des 
Kessels, aber anders charakterisirt, nicht als Abschluss des Ge- 
fasses nach unten, sondern als Endigung nach oben, daher wie 
ein aufwärts gerichteter Blättcrkelch (dcsshalb corona, stcphane), 
mehr oder weniger überfltllend (als supercilium), und so die fein- 
sten Nüancen "des Ausdrucks zwischem leichtem Tragen und 
schwerster Belastung zulassend. Er tritt entweder in unmittelbare 
  Verbindung mit dem obersten Kessel- 
'W  "rande und identificirt sich mit ihm 
 (siehe beist. Beispiel), oder er fasst 
  den Kessel tiefer unten, näher dem 
  Boden (siehe Figg. Seite 14, 15, 16). 
    Ein scharfer Unterschied "trennt beide 
 A  Auffassungen,  die Art desDrei_ 
  Ä lltl iusses charakterisirt. MancherleiUeber- 
 A I'll  gangsformen zeigen' auch hier den 
  A  Reiehthum der Kunstsprache, die jeg- 
 hche Nuance eines formalen Begriffs 
 durch leichte Beugungen seines Wur- 
zelausdruckes wieder gibt. Oft hat 
Dreifuss.   
  der eigentliche Kessel, der beweg- 
liche, für sich bestehende, einen Repräsentanten, der mit 
dem Kranze desDreifusses zusammen eine Höhlung bildet, zur 
Aufnahme des ersteren, der solcherweise Emblema ist. Der- 
artig sind die assyrischcn Dreifüsse, z. B. der steinerne in dem
        

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