Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Keramik, Tektonik, Stereotomie, Metallotechnik für sich betrachtet und in Beziehung zur Baukunst ; mit 239 in den Text gedr. Holzschn. und 5 farb. Tondrucktaf.
Person:
Semper, Gottfried
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1673108
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1674283
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Fünftes 
Hauptstück. 
sind, daher dieses Wirken, das ihr Wesen bildet, nach seinem Mo- 
dus und seiner Intensität klar wiedergeben und deutlich betonen 
müssen; Welches Wieder, wie bei dem Bauche, durch entsprechende 
Form und ihr beigelegten Ornatus erreicht wird. 
Beginnen wir mit dem Fusse. 
Dieser ist an den ältesten Gefässen gar nicht vorhanden! Sie 
sind entweder unten abgerundet oder zugespitzt, wie die Dolien 
und Amphoren, um in den Sand eingescharrt zu werden oder auf 
einem ausgehöhlten und durchlöcherten Stuhle zu stehen. Oder 
man gab ihnen Standfahigkeit durch das Abtlächen der unteren 
Wölbung ihres Bauches. (Siehe die Figuren S. 58, 62, 63.) 
Diese letztere Auskunft (das Ei des Kolumbus) kann uns hier 
nicht weiter beschäftigen, nur mag bemerkt werden, dass der fei- 
ner gebildete Kunstsinn bei ihr nicht stehen blieb, sondern für n0tl1- 
wendig hielt, die Abplattung mit einem Wulste, oder mindestens 
mit einem Saumc, zu umfassen, diese Andeutung eines Fusses, 
oder Ablaufes, auch wohl vollständiger zu entwickeln, wie die 
beigefügten Beispiele zeigen. Siehe auch S. 65 und S. 75 unten. 
Weit wichtigere Beziehungen 
 knüpfen sich an das fusslose Ge- 
 fäss das keine eigene Standfahig- 
i"; lll keit besitzt." Die Auskünfte naiv- 
ster Industrie in ihren Anfängen, 
_  um dem Gefäjsse diese Standfahig- 
 keit zu ertheilen, wurden eben so 
 viele Motive der höheren Töpferei, 
 die ihnen treu blieb, den in ihnen 
 liegenden Gedanken nur idealer 
Abhuf amen abgeflachte. Gefasse. auffasste und ausdrückte. 
Ein gewiss ursprüngliches Mittel 
zur Erreichung des genannten Zwecks war der ringförmige Wulst, 
aus Stroh gewunden oder anderweitig zu Stande geführt, wie er 
noch jetzt bei den Chemikern üblich ist, um ihre Retorten zu 
stellen. Als man Töpfe aus Thon machen gelernt hatte lag es 
nahe ihn aus demselben feuerfesten Stoffe herzustellen. Man über- 
rascht die Töpferkunst der frühesten Bewohner Deutschlands, 
der Schweiz und des ganzen Nordwestens von Europa auf dieser 
Stufe des Fortschritts, denn mit fusslosen Töpfen, welche so häufig 
in keltischen und germanischen Gräbern gefunden werden, trifft
        

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